Auf eine Tasse Kaffee….

… heute mit Conny und Thomas Schieferstein Schieferstein 4
 ProFiliis-Stiftung aus dem Stadtbezirk Mengede
„ProFiliis möchte einen Beitrag dazu leisten, die Rahmenbedingungen von Kindern und Jugendlichen für ein erfülltes und glückliches Leben zu verbessern und die Entfaltung ihrer Fähigkeiten zu erleichtern und zu fördern.“

ProFiliis  – d. h. „Für Kinder“ wurde im Dezember 2008 gegründet und hat sich als Förder-Stiftung der Unterstützung von Kindern und Jugendlichen verschrieben. Dabei ist ProFiliis nicht auf einen bestimmten Sektor festgelegt und hat dementsprechend bisher eine Vielzahl von Förderzielen in ganz unterschiedlichen Bereichen wie Sport, Freizeit, Musikerziehung, Schule, Ernährung, humanitäre Hilfe u. a. verwirklicht. Auch in geografischer Hinsicht ist ProFiliis grundsätzlich nicht gebunden, sieht aber ihren Förderschwerpunkt in der Region Dortmund / Ruhrgebiet. Abweichend hiervon werden auch regelmäßig Förderprojekte in Ländern der sog. Dritten Welt unterstützt..“

Dies ist der nüchterne Text, mit dem auf der Internetseite die Vision der Profiliis-Stiftung beschrieben wird. Doch wer hat diese spannende Vision entwickelt, wer sind Kopf und Herz dieser gemeinnützigen Stiftung? Kopf und Herz – zu gleichen Anteilen mal Kopf mal Herz – sind Conny und Thomas Schieferstein. Sie wohnen bereits seit 1993 in der Region und nach Ihrem Umzug von Castrop-Rauxel Dingen seit 1998 mit ihrem Sohn (18) und den beiden Töchtern (13 und 15) im Stadtbezirk Mengede, im Ortsteil Nette. Die Familie Schieferstein wohnt gerne hier im nord-westlichen Teil von Dortmund. Sie mögen sowohl die Naturnähe bei gleichzeitig guter Anbindung an die Stadt, und schätzen die Kontakte, die sie in den Jahren, in denen die Wahl-Dortmunder hier wohnen, aufgebaut haben sowie den offenen Menschenschlag hier.

Besorgt verfolgt die Familie seit einiger Zeit allerdings die strukurelle Entwicklung des Stadtbezirks und das Anwachsen der radikalen Szene. Aus Ihrer Sicht stellt sich die Frage, warum sich in bestimmten sozialen Brennpunkten der Stadt die Dinge so entwickelt haben, während  andere Bezirke von dieser Entwicklung verschont geblieben sind.

Schieferstein -TeamDas Profiliis-Team: Andreas Kelch, Silja Hüweler, Conny Schieferstein, Christina Schmidt, Thomas Schieferstein (von links)

Viele bekannte Stifter gründen Stiftungen zum Ende ihres Lebens, Conny und Thomas Schieferstein sind aber noch nicht mal bzw. erst Anfang 50 Jahre alt.  Wie sind so relativ junge Leute auf die Idee gekommen, einen Teil ihres Geldes einer Stiftung zu übertragen und es nicht „auf den Kopp zu hauen“. Eine umfassende Antwort darauf bekommt man möglicherweise, wenn man sich mit der Lebensphilosophie der beiden beschäftigt, was an dieser Stelle aber zu weit führen würde. Daher nur kurz und pragmatisch: Im Umfeld der eigenen Kinder hat das Ehepaar Schieferstein festgestellt, dass im Kinder-und Jugendbereich oft erheblicher finanzieller Bedarf besteht, sei es in der Vereinsarbeit, in Kindergärten, den Schulen oder auch in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Hier können viele gute Ideen wegen fehlender Finanzen nicht begonnen bzw. erfolgreich umgesetzt werden. Daraus entwickelte sich ein Ansatzpunkt für die ursprüngliche Stiftungsidee: Unterstützung kleinerer Vorhaben im unmittelbaren Umfeld. Die endgültige Idee, eine Stiftung ins Leben zu rufen, kam auf einer Afrika-Reise mit der Hilfsorganisation Christoffel-Blindenmission (cbm), auf der verschiedene Wirkungsstätten der Organisation in Kenia besichtigt wurden und auf der dieses Thema im Teilnehmerkreis intensiv diskutiert wurde. Ein  Grund dafür, dass sich die Stiftung zusätzlich in Ländern der sog. Dritten Welt engagiert.

Stiftungszweck und Ziele der Stiftung
Es fällt zunächst einmal auf, dass die Stiftung ProFiliis eine Vielzahl von Projekten unterstützt – im abgelaufenen Geschäftsjahr waren es 39, die mit Fördermitteln in Höhe von 135.000 Euro unterstützt wurden. Das sind knapp 4000 Euro pro Projekt. Das hört sich auf den ersten Blick nicht nach einem  gezielten Förderkonzept an, doch dieser Eindruck täuscht. Stiftungszweck und Ziele der Stiftung sind eindeutig in der Satzung festgelegt. So heißt es dort:

Zweck der Stiftung ist die Unterstützung von hilfsbedürftigen, in Not befindlichen oder in problematischen Verhältnissen lebenden Kindern und Jugendlichen im In- und Ausland sowie die Förderung von Kindern und Jugendlichen im In- und Ausland in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Erziehung, Kunst und Kultur, Umweltschutz, Sport u.a.m.. Die Mittelbeschaffung kann z. B. erfolgen für
• humanitäre Hilfsorganisationen, soweit Kinder und Jugendliche begünstigt werden,
• Organisationen, die die Förderung begabter Kinder und Jugendlicher auf sportlichem oder musikalischem Gebiet zum Ziel haben.
• Sportvereine, Jugendzentren, Jugendgruppen, Schulen, Kindergärten, Projekte zur gezielten Verbesserung ausgewählter Fähigkeiten (Lesemütter)

Darüber hinaus können laut Satzung theoretisch auch andere – eigene – Projekte initiiert werden, die von ProFiliis in der Folge betreut oder zumindest überwacht werden, allerdings war dies bisher noch nicht der Fall. Die Ziele der Stiftung lassen sich schlagwortartig wie folgt zusammenfassen:

Einschränkungen überwinden, d.h. ProFiliis unterstützt Kinder, die auf Grund sozialer, psychischer, gesundheitlicher oder anderer Einschränkungen in ihrer Entwicklung benachteiligt sind, diese zu überwinden oder deren negativen Einfluss zu mindern.
Begabungen ausbauen, d. h. ProFiliis hilft Kindern bei der Entfaltung und dem Ausbau Ihrer Talente z. B. im künstlerischen, musischen, sportlichen und schulischen Bereich.
Miteinander fördern, d. h. ProFiliis fördert die sozialen Fähigkeiten von Kindern, damit sie lernen, sich als „Teamplayer“ in unsere Gesellschaft einzubringen.

Von dem im Jahr 2014 aus Dortmund und Umgebung geförderten 39 Projekten kamen 14 aus dem Stadtbezirk Mengede. Zusätzliche 4 Projekte hatten einen internationalen Hintergrund, wie beispielsweise  die Unterstützung einer Schule in Sierra Leone. In der Regel handelt es sich bei den Förderungsmßnahmen um einmalige Zuschüsse.

Schieferstein 2Von den Projekten aus dem Dortmunder Bereich ist den Verantwortlichen aus Nette u.a. das Projekt „Ich schaff’s“ ans Herz gewachsen. Hier handelt es sich um ein Maßnahme, die der Kinderschutz Dortmund zusammen mit der Stiftung seit dem Schuljahr 2011/2012 betreibt. Die Finanzierung für ein weiteres Schuljahr stand in diesen Tagen an und es war für das Stiftungsteam keine Frage, „diese sinnvolle Einrichtung auch im vierten Jahr zu finanzieren und damit auch solchen Schülerinnen und Schülern eine schulische Unterstützung zu geben, deren Eltern sich eine private Nachhilfe für ihre Kinder sich nicht leisten können.“ In dem Projekt werden Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 – 7 in den Fächern Englisch, Deutsch und Mathematik begleitet: vier Lehramtsstudierende arbeiten jeden Dienstag in der Zeit von 16.30 – 18.30 Uhr – begleitet durch einen Mitarbeiter des KSB Dortmund – mit bis zu 25 Schülerinnen und Schülern.

Schieferstein mein körperÄhnlich zugetan sieht es für die Veranwortlichen bei dem Projekt „Mein Körper gehört mir!“ aus. In einem interaktiven Theaterstück, das die theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück in drei aufeinanderfolgenden Wochen für die dritten und vierten Klassen der Regenbogen-Grundschule in Mengede aufgeführt hat, wird hier das Thema sexueller Missbrauch kindgerecht behandelt. Den Kindern wird nahegebracht, wie sie reagieren können, wenn ihnen etwas – insbesondere Berührungen – unangenehm ist. Sie lernen, dass sie selbst bestimmen dürfen, was mit ihnen und ihrem Körper passiert. Auch das Recht „Nein“ zu  sagen, wird in dem Theaterstück eingeübt.

Ein weiteres erwähnenswertes Projekt ist die Dortmunder Krabbeltafel, seit Anfang März 2010 ein neuer Baustein im Bereich des Kindertafel-Projektes der Dortmunder Tafel.

??????????????????????In der Kindertagesstätte Stollenstraße erhalten Mütter aus problematischen sozialen Verhältnissen mit Kleinkindern unter drei Jahren einmal wöchentlich Tipps zum Umgang mit Lebensmitteln und zur gesunden Ernährung. Insbesondere wird den jungen Müttern vermittelt, wie auch mit preiswerten Zutaten gesunde Gerichte abseits von Fertiggerichten zubereitet werden können. Gemeinsam mit pädagogischer und hauswirtschaftlicher Hilfe werden Schulungen zum Thema Hygiene oder Kochen angeboten, während die Kinder in der KiTa betreut werden.

Der Kurs richtet sich bewusst an Familien mit unterschiedlichem Migrationshintergrund und trägt damit zur gelebten Integration bei. Im Jahr 2010 kamen die Teilnehmerinnen aus 8 verschiedenen Herkunftsländern. Die Mütter nehmen an einem Kochkurs teil, der Schwerpunkte legt auf die gesunde und altersgerechte Ernährung von Kleinstkindern im Alter von 1 – 3 Jahren.

ProFiliis hat der Dortmunder Tafel  eine Zusage für Ihr Projekt „Krabbeltafel“ für ein weiteres Kalenderjahr erteilt. Das Projekt richtet sich an Mütter und andere Familienangehörige mit Kindern. Es besteht keine Altersbegrenzung bei den Kindern. Im Jahr 2014 haben generationsübergreifend auch Großeltern mit ihren Enkelkindern an dem Angebot teilgenommen. Die Kurse sind für je 10-12 Erwachsene mit ihren Kindern ausgelegt; sie dauern jeweils vier Wochen.

Bei all den Profiliis-Projekten geht es nicht um persönliche Vorlieben, vielmehr werden die Projekt-Anträge und Ideen intensiv diskutiert und dann mehrheitlich vom Stiftungsteam entschieden.

schieferstein Krabbeltafel

Projektanträge

Inzwischen können nicht mehr alle eingehenden Projektanträge positiv beschieden werden. Es empfiehlt sich, vorab mit dem Projektbüro – in dem neben Conny und Thomas Schieferstein drei stundentische Hilfskräfte arbeiten – Kontakt aufzunehmen. Bei der Auswahl der Anträge werden tendenziell solche Maßnahmen bevorzugt, die vor allem

• durch ein starkes ehrenamtliches Engagement mitgetragen werden,
• die von der Stiftung einzubringenden finanziellen Mittel besonders effizient einsetzen,
• das Eigen-Engagement von Kindern und Jugendlichen fördern und auch im Rahmen der geplanten Maßnahme einfordern.
• nicht in die „natürliche“ Zuständigkeit kommunaler oder staatlicher Institutionen fallen.

Der Punkt im letzten Spiegelstrich ist natürlich hochbrisant, denn alle geförderten Projekte sind bitter notwendig und fallen nach allgemeinem Verständnis in den Aufgabenbereich staatlicher Institutionen. Doch inzwischen ist klar: Die Kassen sind leer und der Staat kann immer weniger zur Grundversorgung beitragen. Wer dem Staat nicht zutraut, öffentliche Aufgaben genau so gut zu erledigen wie Wirtschaftunternehmen, und wer die Handlungsmöglichkeiten der staatlichen Institutionen durch die Steuerpolitik immer weiter  einschränkt, darf sich nicht wundern, dass die entstehenden Löcher letztlich nur noch durch die  Großzügigkeit privater Spender gestopft werden.

Für die Finanzierung der Projekte stehen einmal die Erträge aus dem Stiftungskapital zur Verfügung. Diese Erträge waren in den letzten Jahren stabil, auch dank einer vorsichtigen Anlagestrategie. Da die Stifter sich nicht darauf verlassen, dass dies immer so bleibt, versuchen sie deswegen auch zusätzliche Spenden einzuwerben. Im letzten Jahr waren das rd. 70.000 Euro. Diese zusätzlichen Gelder verschaffen eine gewisse Planungssicherheit, auch wenn die Unsicherheit an den Fianzmärkten die Stiftung bei der Unterstützung von länger laufenden Projekten oder auch bei der Durchführung von „eigenen“ Projekten zur Vorsicht zwingt.

Qualitätssicherung

Auch eine Qualitätssicherung und Projektüberwachung findet statt, allerdings sind ihr naturgemäß Grenzen gesteckt.

Es gibt bei allen Projekten bereits mehrere Berichtsstufen, in denen darauf geachtet wird, ob die bewilligten Mittel zweckentsprechend verwendet worden sind. Darüber hinaus wird beispielsweise bei den Nachhilfeprojekten darauf geachtet, wie sich die Belegung der Kurse entwickelt bzw. ob und an welchen Stellen sich das Leistungsgefälle positiv verändert hat. „Wir wollen jetzt kein ausgeklügeltes Qualitätssicherungssystem entwickeln, aber wir wollen schon signalisieren, dass es bei unseren Zuschüssen nicht darum geht, nur Mittel in Empfang zu nehmen – und das ist es dann gewesen“, so erläutert Thomas Schieferstein die Philosophie des Stiftungsteams. „In allen Fällen überzeugen wir uns bei Investitionsprojekten nach der Anschaffung vor Ort auch von der Durchführung der Maßnahme bzw. lassen uns dies durch die Zusendung entsprechender Fotos dokumentieren, wie z.B. bei unseren Engagements in der „Dritten Welt“.

Abschließende Botschaft des Stiftungsvorstandes: Bei der Anzahl 19 – das ist die Zahl der Projekte, die im Stadbezirk Mengede angesiedelt sind – ist noch Luft nach oben. Wer eine Idee zur Umsetzung der Stiftungsziele hat und sie verwirklichen will, sollte sich mit Profiliis in Verbindung setzen. Insoweit stehen die Stifter – befragt nach ihren Wünschen und Zielen für die nächsten 25 Jahre – nicht alleine da: Weiteres Wachstum im Fördervolumen und damit einhergehend eine Vielzahl interessanter und sinnstiftender Projekte, die möglichst vielen Kindern und Jugendlichen zugute kommen.

Conny Schieferstein hat eine Ausbildung als Physio-Therapeutin abgeschlossen. Derzeit ist sie hauptberuflich Hausfrau und Mutter. Ihre Hobbies: Joggen, Klavierspielen, Lesen.
Thomas Schieferstein hat eine Ausbildung als Diplom-Psychologe und Dipl- Informatiker absolviert. Er ist  als geschäftsführender Gesellschafter in einem Beteiligungs-Unternehmen tätig. Seine Hobbies: Schwimmen, Radfahren, Reisen, Lesen.
 Weitere Informationen unter: http://www.profiliis.de
Bankverbindung:
ProFiliis – Stiftung;
IBAN: DE71 4401 0046 0040 9824 61
BIC: PBNKDEFF
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