Fastenzeit im Kopf

Es ist Fastenzeit!

Eine Kolumne von Heinrich Werbedes
Prost Stammtischbrüder!

Empfange einen Anruf meines Freundes Klaus:
„Werbedes, will dich ja nicht unter Druck setzen, aber mir fehlt noch deine neue Kolumne!“ „Schön, dass du mich nicht unter Druck setzen willst“, antworte ich. „Habe zurzeit nämlich Fastenzeit. Faste quasi im Kopf. Bin so etwas wie ein sekundärer Vegetarier und Veganer, nur auf die Birne bezogen.“ Fast gleichzeitig legen wir auf.

Ob er mich versteht? Mein restliches Umfeld versteht mich nicht. Einige fasten nach herkömmlichen Riten. Sechs Wochen kein Fleisch oder kein Alkohol oder keine Zigaretten oder wer weiß was. Entschlacken ist das Zauberwort. Ich entschlacke im Kopf.

Bin in den letzten Monaten intellektuell so zugemüllt worden, überwiegend durch rechte, unmenschliche Äußerungen, dass ich abgeschaltet habe. So ganz gelingt mir das natürlich nicht.

Bin durch einen Satz des kleinen, großen Schauspielers Tilo Prückner geweckt worden. Tilo wurde gefragt, ob er die Demokratie als Staatsform nicht für die bestmögliche Form des Zusammenlebens halte. Er verneinte dies nicht, wies jedoch darauf hin, dass „wir in
einer Wirtschaftsdiktatur leben“ würden. Wolfgang Neuss, der vor Jahren verstorbene Kabarettist (der Mann mit der Pauke) behauptete:  „Der Faschismus ist eine Spielart der freien Marktwirtschaft.“

Haben die beiden etwa Recht? Ich denke wieder nach. Kopffastenzeit beendet.

In Mengede wird es vermutlich an zwei Standorten eine vorübergehende Unterkunft für Kriegsflüchtlinge geben.

Ich wünsche mir von meinen Mitbürgern einen vernünftigen, menschlichen und angstfreien Umgang mit dieser Situation. Angst kann man haben. Man darf aber nicht feige sein. Besonders den Rechten gegenüber.

Stammtischbrüder. Möchte euch auch noch einen Spruch mitgeben. Natürlich auch von Wolfgang Neuss: „Alle Tage sind zwar gleich lang, aber unterschiedlich breit!“

In diesem Sinne Euer

Heinrich Werbedes

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