Flüchtlingsunterkünfte in Mengede (Teil 2)

Eindrücke von der Informationsveranstaltung der Stadt Dortmund im Mengeder Saalbau

Zur Information vorab: die Stadt Dortmund hatte für Donnerstag, 12.3. zu einer Bürgerinformationsveranstaltung in den Saalbau Mengede eingeladen, um über die geplanten Flüchtlingsunterkünfte im Stadtbezirk zu informieren.

Um 18:30, eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn war schon einiges los auf dem Mengeder Marktplatz. Einige Polizeiautos, Sicherheitskräfte, die die Veranstaltung schützen sollten, eine Hand voll, anscheinend bekannter Neonazis, denen der Zutritt zur Veranstaltung verwehrt wurde und sehr viele interessierte Mengeder waren versammelt und drängten in den Saalbau.

Der Moderator begann pünktlich um 19:00 Uhr, jedoch nicht für alle Bürger. Weil der Saal voll besetzt war, durften laut Schätzungen circa 100 Menschen nicht mehr teilnehmen. Vor der geschlossenen Tür des Saalbaus nutzten einige Neonazis, denen der Zutritt verwehrt wurde (hauptsächlich Mitglieder der Partei „Die Rechte“) die Gelegenheit, ihre Propaganda unters Volk zu bringen.

Im Saalbau wurde während der ersten Minuten schnell klar, dass die – in meinem letzten Artikel erwähnten – ideologischen Gräben auch heute Abend sehr, sehr tief zu sein schienen. Nahezu jeder Satz des Moderators und der Sozialdezernentin der Stadt wurden von künstlichem, höhnischem Gelächter und Zwischenrufen begleitet. Ich fragte mich: wer fürchtet sich vor wem und auf welcher Seite steht die Mehrheit der Anwesenden? Das Klima beruhigte sich etwas, als die Sozialdezernentin der Stadt nach etwa 15 Minuten klar und deutlich erklärte, es sei eine Informationsveranstaltung über einen Vorgang, der politisch entschieden sei.

Die Veranstaltung war in verschiedene Punkte gegliedert. Es ging um allgemeine Informationen, den Weg der Flüchtlinge und die verschiedenen Arten von Unterkünften, die Auswahl der Standorte und zum Schluss gab es einige Berichte aus der Flüchtlingsunterkunft in der östlichen Innenstadt.

An neuen Informationen, sind vor allem diese hervorzuheben:
Am Standort Oestrich an der Breisenbachstraße wird eine „Notunterkunft“ aus Wohncontainern mit Kapazitäten für bis zu 300 Flüchtlinge entstehen (ob das eine menschenwürdige Unterbringung ist, sei mal in den Raum gestellt). Diese Einrichtung soll schon in 4 Monaten fertiggestellt sein. Sie soll allerdings nicht dauerhaft bestehen bleiben.

Am „Erdbeerfeld“ in Mengede wird ein größerer Wohnungsbau mit 50 Wohnungen entstehen, in denen Menschen, nicht nur Flüchtlinge, langfristig Wohnungen mieten und beziehen können.

Jeweils zwischen den oben genannten „Tagesordnungspunkten“ durften die Bürger Fragen stellen. Es waren anfangs vorwiegend Bewohnerinnen und Bewohner des „Erdbeerfeldes“, die Fragen stellten und teilweise waren es auch die gleichen Fragen, die gestellt wurden. Insgesamt war die Stimmung sehr angespannt und hochemotional. Die Kritiker der Flüchtlingsheime stellten immer wieder ihre Ängste über Kriminalität in den Vordergrund, die es bei ähnlichen Einrichtungen im Stadtbereich ja schon gebe, so ihre Argumentation. Auch ging es um die Fragen, wer die Unterbringung der Flüchtlinge bezahlt, warum nur „junge Männer“ kommen oder wie die unterzubringenden Flüchtlinge ihre Flucht finanziert haben.

Andere Rednerinnen und Redner gaben jedoch auch zu bedenken, dass diese Menschen Schreckliches erlebt haben, teilweise hochtraumatisiert sind und man sie mit offenen Armen empfangen sollte. Auch sei es doch eine Bereicherung, Menschen anderer Kulturen und mit interessanten Hintergründen kennenzulernen.

Die Anwesenden Gäste des Deutschen Roten Kreuzes und der Dortmunder Kindergärten und Schulen konnten die Argumente der Kritiker größtenteils entkräften, ob sie diejenigen, die sich vorher schon eine Meinung gebildet hatten, überzeugen konnten blieb offen…

Nach und nach verließen viele Menschen, die ihre negative Meinung kundgetan hatten, den Saal und das Klima wurde durch ausbleibende Zwischenrufe etwas entspannter. Am Ende der Veranstaltung zeigte sich, dass eine große Zahl an Mengedern am Dialog interessiert und auch bereit ist, den Flüchtlingen zu helfen und mit eigener Unterstützung zur Verfügung zu stehen.

Nach zwei Stunden ist die Informationsveranstaltung beendet. Die Gegner meinen, keine ihrer Fragen sei von der Politik beantwortet worden – ein Vorwurf, der eher auf die Gegner zurückfällt. Die Moderation hat das Kunststück fertig gebracht, alle gestellten Fragen aufzugreifen und sie den anwesenden Fachleuten zur Beantwortung vorzulegen. Dass nicht alle mit den Antworten zufrieden waren, liegt in der Natur der Sache. Zudem wurde zugesagt, zeitnah ein Protokoll der Veranstaltung zu erstellen, in dem auch die gestellten Fragen und die Antworten enthalten sind; und es sollen weitere Informationsveranstaltungen folgen.

Diejenigen, die sich informieren wollten, dürften froh gewesen sein, aus erster Hand zu erfahren, wie es weitergehen wird.

Eine Frage, die am Abend gestellt wurde, lautete „Wie werden die Flüchtlinge geschützt?“ Sie beschäftigt mich. Die ganze Zeit. Die Stimmung war teilweise sehr aggressiv. Nicht auf ihren konkreten sachlichen Inhalt bezogen kreist die Frage in meinen Gedanken, sondern alleine, weil diese Frage gestellt werden muss.

Nachtrag:
Es gibt übrigens einen lesenswerten Kommentar auf meinen ersten Artikel. Den Kommentar hat ein Bewohner des „Erdbeerfeldes“ geschrieben, dessen Eltern nach dem Krieg als Flüchtlinge nach Dortmund gekommen sind.

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Ein Kommentar

  1. Danke fuer diese Information. Leider wusste ich nichts von der Veranstaltung, an der ich sonst gern teilgenommen haette. Zwei Fragen habe ich:

    1. Woher kommen die Fluechtlinge, die im Erdbeerfeld wohnen sollen und aus welchen Gruenden sind sie geflohen?

    2. Gibt es Plaene seitens der Politik oder anderer Organisationen, um die Akzeptanz der Fluechtlinge bei den Anwohnern zu verbessern und um den Fluechtlingen zu helfen sich in unserer Kultur zurechtzufinden. Sollte es dergleichen Plaene geben, kann man sich als Mengeder Buerger engagieren? Ich denke dabei nicht etwa an Kuchenbacken oder Strassenfeste, sondern daran, die Fluechtlinge mit den Lebensgewohnheiten und den Erwartungen an das Verhalten im taeglichen Miteinander vertraut zu machen, sie auch auf Bestimmungen fuer das Verhalten im oeffentlichen Raum hinzuweisen. Auf solche Weise liesse sich meines Erachtens einem ungewollten Fehlverhalten vorbeugen, das haeufig der Grund ist fuer Aengste der am Ort ansaessigen Buerger und fuer Aergernisse. Ich spreche aufgrund von Erfahrungen, die ich selbst als in England lebende Auslaenderin gemacht habe und von Erfahrungen die aus dem Umgang mit auslaendischen Studierenden resultieren.

    Ueber eine Antwort wuerde ich mich freuen.

    Marie-Luise Spieckermann.

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