Auf eine Tasse Kaffee mit Clemens Marischen

Heute mit: Clemens Marischenauf eine... marischen 4 – Leiter der Polizeiwache Mengede

Das gibt es auch heute noch: 45 Jahre bei einem Arbeitgeber. Auch wenn der Arbeitgeber der öffentliche Dienst ist – in diesem Fall das Land NRW – 45 Jahre sind auch im öffentlichen Dienst eher eine Seltenheit. Und wenn der künftige Pensionär noch erklärt, der Beruf habe ihm zeitlebens Spaß gemacht, aber jetzt sei es Zeit, sich um andere Dinge zu kümmern, dann ist das noch ungewöhnlicher.

Die Rede ist von Clemens Marischen, der am 30.4.2015 nach 45 Jahren Dienstzeit bei der Polizei in Pension geht. Polizist war er mit Leib und Seele. In den letzten 11 Jahren, genau seit Mai 2004, war er Leiter der Mengeder Polizeiwache.

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Alte Bekannte

auf eine ... marischen 2Bildunterschrift auf der Rückseite des oben stehenden Gruppenfotos aus dem Jahr 1957

Am 1. 10. 1970 ist er in den Polizeidienst des Landes NRW eingetreten. Vorher hatte er eine dreijährige Lehre als Brauer und Mälzer abgeschlossen, doch für ihn war schon damals klar, dass er Polizist werden wollte.

Seine beruflichen Stationen sind schnell erzählt:
1.10.1970 Eintritt in Polizeidienst
1975 Beginn der Ausbildung für den gehobenen Dienst
1981 Wechsel zur Kripo Dortmund und dort vorwiegend im Ermittlungsdienst in den Bereichen Betrug, Kfz-Diebstahl, Einbruchsdelikte und Konkursangelegenheiten tätig.
In diesem Aufgabenbereich war er 21 Jahre tätig. Seine nachhaltigsten Erlebnisse aus dieser Zeit waren Einsätze bei den Olympischen Spielen in München, und zwar im Zusammenhang mit den Anschlägen auf das israelische Olympiateam und im Zusammenhang mit der Entführung von Peter Lorenz in Berlin. Zu beiden Anlässen war das Land NRW gebeten worden, Personal zur Verstärkung bereitzustellen. Für Clemens Marischen war es damls keine Frage, sich für beide Aufgaben zu melden. Er sei zum Streifendienst eingeteilt worden und könne sich heute noch sehr gut daran erinnern, wie es ihn entsetzt habe, zu erfahren, welche Gewalttaten Menschen ausüben können, wenn sie fanatisiert sind.

Das ist schon lange her. Als Leiter der Mengeder Wache sei der Dienst weit weniger spektakulär, aber nie langweilig gewesen. Frustrierend jedoch immer dann, wenn der technologische Vorsprung der „anderen Seite“ unübersehbar gewesen sei. Für ihn war es immer noch ein Phänomen, dass es einerseits große Erwartungen und Anforderungen der Gesellschaft an die öffentliche Sicherheit und Ordnung gibt, andererseits aber die Bereitschaft der Allgemeinheit fehlt, hierfür die erforderlichen Mittel bereitzustellen.

Die Aufgaben, die Polizei und übrige Ordnungskräfte zu erfüllen haben, steigen permanent. Sie werden nicht nur bei Großveranstaltungen oder Demonstrationen gefordert, auch wird zunehmend eine tägliche Präsenz auf Straßen und Plätzen gewünscht. In Mengede sind derzeit 25 Polizisten im Einsatz, einschließlich des Leitungspersonals. Das erscheint auf den ersten Blick viel zu sein. Wenn man jedoch bedenkt, dass die Mengeder Wache im Drei-Schichtbetrieb besetzt ist und Ausfälle durch Urlaub und Krankheit nicht von außen ausgeglichen werden, dann relativiert sich dieser erste Blick. Im Vergleich zu früher – z. B. dem Jahr 1957, aus dem das abgebildete Foto stammt – sind zusätzliche Aufgabenbereiche hinzugekommen: Verkehrserziehung in Kindergärten und Schulen, Begleitung von Demonstrationen und Aufmärschen im Stadtbezirk. Ansonsten gehören zum Tagesgeschäft: Bearbeitung von Unfällen und Diebstahlangelegenheiten und von häuslicher Gewalt.

Im Vergleich zu anderen Stadtbezirken ist der Stadtbezirk Mengede hinsichtlich der Kriminalitätsrate im Schnitt nicht besonders auffällig. Allerdings steigt die Zahl der Straftaten in der Vorweihnachtszeit, wobei ein hoher Anteil auf die sog. reisenden Täter fällt. Die an sich gute Anbindung des Stadtbezirks an das überörtliche Verkehrsnetz wirkt sich hier als Nachteil aus, denn das erbeutete Diebesgut kann umgehend über die Autobahnen abtransportiert werden.

auf eine ... marischen 3Auf die Frage, was er denn ab dem 1.5.2015 zu tun gedenke, antwortet der künftige Pensionär, im nächsten halben Jahr habe er an seinem Anwesen in Groppenbruch genug zu tun, um das erst einmal wieder auf Vordermann zu bringen. Und danach werde er weiter sehen.

Das ernstgemeinte Angebot seiner beiden Gesprächspartner, als Nachwuchstrompeter den Bläserchor der Noah-Gemeinde zu verstärken, lehnt er kategorisch ab und nennt auch einen nachvollziehbaren Grund: Im Alter von neun Jahren habe er sich zu Weihnachten sehnlichst ein Fahrrad gewünscht. Seine – musikausübende – Mutter habe jedoch andere Pläne verfolgt. Statt eines Fahrrads bekam er ein Akkordeon geschenkt. Das sei für ihn ein derart große Enttäuschung gewesen, dass jedwede Musikausübung von da an für ihn erledigt gewesen sei.
Allerdings könne er sich durchaus vorstellen, demnächst als Hobby-Maler tätig zu werden. Die international anerkannten Künstler Dali, Miro und Immendorf sind seine Favoriten – in der Tat eine außergewöhnliche und anspruchsvolle Kombination. Er ist realistisch genug um einschätzen zu können, dass es für ihn allenfalls zu einem Hobbymaler reichen wird. Auch kann er sich vorstellen, demnächst einmal an der Uni in Dortmund Gasthörer zu sein. Vorlesungen in Kunstgeschichte, Geschichte, Mathematik und Physik würden ihn besonders reizen.

Langeweile dürfte es somit nicht geben, so dass sein Wunsch,  bei bester Gesundheit 100 Jahre alt zu werden,  theoretisch gute Erfolgsaussichten haben könnte. Für denkbar hält er es auch, gelegentlich als Dozent an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung tätig zu werden, um den jungen angehenden Polizisten praktische Tipps aus seiner langjährigen Praxis zu geben. Diese praktischen Erfahrungen werden ihm nach dem 1. 5. 2015 auf jeden Fall zugute kommen. Groppenbruch hat bis dato lediglich einen ehrenamtlich tätigen „Bürgermeister“. MENGEDE: InTakt! könnte sich vorstellen, dass ab 1.5. ein ehrenamtlich tätiger „Sheriff“ hinzu kommt.

Clemens Marischens Kollegen werden ihm am Ende dieses Monats einen gebührenden Abschied bereiten. Sie bedauern seinen Gang in den Ruhestand und werden ihm sicher ein gutes Gelingen für seine weiteren Vorhaben wünschen. Aber auch für sie heißt es: „Auf zu neuen Ufern“. Genau so gespannt wie MENGEDE: InTakt! werden sie auf den Nachfolger sein.
Wir werden versuchen, auch mit dem Neuen in den nächsten Wochen „Auf eine Tasse Kaffee…..“ zusammenzukommen.

Auf eine Tasse Kaffee mit Clemens Marischen trafen sich Helmut Textoris und Klaus Neuvians
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