Werbung, wohin man schaut

Über VolksRasierer und die vielfältige Verwendungsmöglichkeit von Salben

Eine Kolumne von Heinrich Werbedes
Prost Stammtischbrüder!

Ich war neulich zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. „Werbedes,“ sagte die Gastgeberin im
Vorfeld, „ rede bitte nicht über Fußball. Du weißt doch, mein Schwager ist Bayern-Fan…., sonst gibt es wieder nur Streit mit den Borussen-Fans!“ Ich versprach, das Thema Fußball nicht zur Sprache zu bringen.

Dachte aber als gelernter Bombenleger, vielleicht könnte ich stattdessen die Themen Politik oder Religion ansprechen? Ließ es dann aber. War eine schöne, ruhige Feier.
Stammtischbrüder! Mit euch kann man auch zur Zeit nicht über Fußball reden. Ihr seid im
Jammerzustand. Euer Messias Kloppo will euch verlassen. Ich habe euch schon vor Monaten
auf sektenähnliche Zustände bei eurem Lieblingsverein hingewiesen. Nehmt es doch locker.
Der Mann ist nur ein Trainer. Ich weiß, Jesus war nur Zimmermann. „Denkt euch, ich habe
den Heiland gesehn, von hinten, denn er wird jetzt gehn.“ Verzeiht mir den Spott.

Jürgen Klopp möchte euch übrigens noch schnell vor seinem Abschied zum Vatertag –
laut Anzeige in einem Sonntagsblatt – einen Rasierer verkaufen. Einen VolksRasierer.
O-Ton: „ Der ist einer meiner Top-Spieler, der gewinnt jeden Zweikampf….usw.“
Schon ein geschäftstüchtiges Kerlchen, euer Kloppo. Verseucht uns mit Werbung,
wo es nur geht.

Apropos werbeverseucht. Lag mal vor Jahrzehnten im Mengeder Krankenhaus mit einer schweren Knieverletzung. Am dritten Tag schob man mir einen weiteren bedauernswerten
Patienten aufs Zimmer. Er war so um die Dreißig und stellte sich mir als Rolf vor. Rolf war es
zu Hause – er lebte noch bei seiner Mutter – zu warm geworden. Anstatt die Heizung abzudrehen, versuchte er sie aus der Wand zu reißen. Dabei holte er sich einen Leistenbruch.
Rolf war psychisch krank und hatte ein Down-Syndrom. Er war ein lieber Kerl, hatte aber
viele Ängste. Am meisten beschäftigte ihn die zu erwartende Narkose bei seiner anstehenden
Operation. Er hatte Angst, dass ihm der Arzt während der OP sein „Gemächt“ abschneiden
würde. Für sich hatte er aber auch immer selbst eine beruhigende Antwort parat: „Das darf der nicht, dann kommt er ins Gefängnis!“

Rolf schmierte sich jeden Abend von Kopf bis Fuß mit Nivea ein. Er schwor auf die heilende Wirkung von Nivea und gedachte auch seine OP- Narbe damit zu behandeln.

Erst später begriff ich, dass Rolf ein Genie war. Nivea löst viele Probleme dieser Welt.
Rassenprobleme? Lasst uns mit Nivea einschmieren, dann sehn wir alle gleich aus. Sinkende
Flüchtlingsboote im Mittelmeer? Lasst sie uns mit Nivea abdichten. Waffenexporte? Nein
Niveaexporte! Usw. usw.

In diesem Sinne, Prost!!!

Euer Heinrich Werbedes!

Ein Kommentar

  1. Es gehört schon Mut dazu, in einem Stadtbezirksportal für Dortmunder Vororte den Abschied von Jürgen Klopp satirisch aufzuarbeiten. Herzlichen Glückwunsch lieber Werbedes. Diesen Mut vermisse ich manchmal in der offiziellen Dortmunder Presse, die, inzwischen ja nahezu konkurrenzlos, sich meistens in die Rolle der Hofberichterstattung bezüglich BVB und Umfeld begibt. Aber…
    … ich glaube schon, dass nach der langen Zeit der „sektenähnlichen Verbundenheit“ zwischen Verein und Trainer die Trennung auch emotional nicht leicht ist. Ich höre Jürgen Klopp schon am Ende, wenn alles vorbei ist, sagen: „Der Abschied fällt mir verdammt schwer, es tat Nivea.“

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