„Hände weg vom Stadtgarten Castrop“

Denkmal und mehr – das Parkbad Süd in Castrop-Rauxelparkbad_sued_verein_haende_weg_vom_stadtgarten_ev2

Nur etwas mehr als fünf Kilometer von unserer Stadtgrenze entfernt befindet sich das „Parkbad Süd Castrop“, mitten im Stadtgarten gelegen und nur einige Gehminuten von der Altstadt entfernt.

Am 1. April 1926 wurde die Stadt Castrop-Rauxel aus Teilen der Stadt Castrop und des Amtes Rauxel gebildet. Kurz nach der Zusammenlegung, am 12. September 1926, wurde im Ortsteil Castrop das „Parkbad Süd“ als „Städtische Freibadeanstalt“ feierlich eingeweiht. Im Jahr 1931 wurde der das Parkbad umgebende Stadtgarten angelegt. 65 Jahre lang diente das Bad mit dem Stadtgarten der Erholung der Bürger, war in den 50-er bis zu den späten 70-er Jahren ein Ort der Erholung auch für die Bergarbeiter nach der schweren Arbeit unter Tage, war auch noch nach dem strukturellen Wandel von der Industriestadt zur mehr dienstleistungsorientierten Kommune ein beliebter Ausflugsort.

Nach 65 Jahren wurde es in der Saison 1992 aus Kostengründen nicht mehr geöffnet. Eine Bürgerinitiative „Rettet das Parkbad Süd“ mit 5.551Unterschriften von Bürgern konnte diese Entscheidung von Rat und Verwaltung nicht mehr rückgängig machen. Zum Jahreswechsel 1994/1995 berichteten die Medien von Plänen, das Gelände der Badeanstalt im Stadtgarten als Baugelände auszuweisen und zu verkaufen. Das konnten viele Bürger nicht akzeptieren, denn einen Teilverkauf als Anfang vom Ende ihres Stadtgartens, das wollten sie auf gar keinen Fall hinnehmen. Es hagelte Bürgerproteste. Und es formierte sich ein Widerstand gegen die Pläne der Politiker. Am 16. Februar 1995 wurde der Verein „Hände weg vom Stadtgarten Castrop e.V.“ ins Vereinsregister eingetragen. Erste Aktivität des Vereins war ein Antrag bei der Landesdenkmalpflege in Münster und der Landesregierung in Düsseldorf, die Anlage unter Denkmalschutz zu stellen. Ende 1995 kam der erlösende Bescheid aus Düsseldorf: Stadtgarten und Schwimmbad sind ein Denkmal!

In der Begründung hieß es: „Schwimmbad und Stadtgarten wurden in den wirtschaftsschwachen Krisenjahren zwischen den beiden Weltkriegen erstellt. Als Notstandsarbeiten nach den Vorschriften der produktiven Erwerbslosen-Fürsorge bei freiwilliger Meldung, ist die Errichtung der Freizeitanlage eine Eigenleistung der Castrop-Rauxeler Bürger für ihre persönlichen Bedürfnisse und ein typisches Dokument für die späten Jahre der Weimarer Republik, als allenthalben gemeinnützige Arbeiten zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit durchgeführt wurden.“ So liegt der heutige Wert des Stadtgartens und des Parkbads Süd nicht nur in dem puren Erholungswert oder in seiner Funktion als grüne Lunge, sondern hat auch eine stadtgeschichtliche Bedeutung als Zeichen gelebter und realisierter Solidarität.

Nach der Anerkennung als Denkmal entwickelte der Verein ein Nutzungskonzept „Kultur- und Freizeitzentrum Parkbad Süd“. Das wurde von der IBA (Internationale Bauausstellung Emscherpark) 1997 in ihr Projekt „Initiative ergreifen“ aufgenommen. Für 1,5 Millionen DM, davon 1,35 Millionen IBA-Gelder und 150.000,- DM Eigenleistung vom Verein wurde das Objekt „Parkbad Süd“ in Castrop restauriert und umgebaut. Heutige Besucher sind immer wieder begeistert von der im neuen Glanz erstrahlten strandbadähnlichen Holzarchitektur.
(Quelle: www.parkbad-sued.de)

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Inzwischen beherbergt das Gebäude ein renommiertes Restaurant, das bei Gästen aus nah und fern beliebt ist. Geboten wird, wie oben erwähnt, ein liebevoll, teilweise in Eigenarbeit von Vereinsmitgliedern restauriertes altes Badgebäude im Stil der späten 20-er Jahre des vergangenen Jahrhundert. Im Außenbereich befinden sich das ehemalige Schwimmbecken mit einer überdachten 10 x 5 m großen Bühne als attraktiver Spielort für Konzerte und Theateraufführungen. Für das Becken sprechen die gute Akustik, die architektonisch vorgegebene Schräge im Becken für Sitzbänke und der faszinierende Bildabschluss durch die Kulisse des Badgebäudes. Außerdem lassen sich die historischen Sitzreihen um das Becken herum für weiteres Publikum nutzen. Der gesamte Komplex ist behindertengerecht gestaltet. In unregelmäßigen Abständen finden auch im Innenbereich unterschiedliche kulturelle Veranstaltungen statt.

Veranstaltungshinweis
Am 21.5.15, um 20 Uhr können Sie dort einen stimmungsvollen AbendParkbad Sued -ChansonART2 mit Agnes Bryja als Sängerin und Doreen Pichler am Klavier erleben.
Wenn Agnes Bryja und Doreen Pichler sich die Frage nach dem Sinn und Un-Sinn des Lebens stellen, kann Unmögliches möglich werden. In „Jeden Tag Neu!“ wird das strenge Korsett gelöst und ein neuer, swingender Ton angeschlagen. Augenzwinkernd, unbeschwert, tiefsinnig – das sind die amüsanten und doch nachdenklichen Lebensansichten einer Hildegard Knef, deren lyrische Texte in wunderbarer Form von Charly Niessen und Hans Hammerschmidt vertont wurden. Cole Porter, Rainer Bielfeldt, Georg Kreisler und Peer Raben sind nur ein paar Namen derer, denen ChansonART außerdem auf der Spur ist.

Parkbad Sued ChansonARTAgnes Bryjas Wandlungsfähigkeit ist scheinbar grenzenlos, ihre Ausdrucksstärke einnehmend und das Wesentliche ist Gefühl. In kongenialer Einheit mit der Pianistin Doreen Pichler und dem gewohnten Humor wird aus dem ewig rollenden Stein eine immer wieder neue Chance, wird Alltag zum Lebensinhalt und Musik zu Poesie.

Weitere Informationen über ChansonART finden Sie unter: www.chansonart.de. Die Karten gibt es an der Abendkasse ab 19 Uhr für 10 Euro. Wer Karten vorab reservieren möchte, schickt einfach eine kurze Email an
kultur-ag@parkbad-sued.de.

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