Kindheit in der Zechensiedlung (12) – Eine Rückblende auf die Mode in den 50er Jahren

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Foto 1: Kindergarten Adolf von Hansemann um 1950

Was gab es damals nicht alles für schöne Sachen zum Anziehen

Die Auswahl an Garderobe war in den Bergmannshaushalten in den 50er Jahren begrenzt . Kleidung war in Kategorien eingeteilt wie „für gut“, „für jeden Tach“, „für draußen“ und „für nachts übern Hof“. Nein, stimmt nicht. Die letzte Kategorie ist nur ein Scherz. So besaß der Mann 3-4 Hosen, 3-4 Oberhemden, die durch das obligatorische Weihnachtsgeschenk SOS immer mal wieder aktualisiert wurden, 1 dicke Joppe, 1-2 Jacketts , einen schwarzen Anzug für Feiern, Beerdigungen oder später als Sargbekleidung, 2 Pullover, 1 Hut, 1 Kappe (Arsch mit Griff) und ein paar Garnituren Unterwäsche in Feinripp, meist grau. Wobei lange Unterhosen nicht fehlen durften.

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Foto 2: Alles Handarbeit

Bei Frauen, weil modebewusster, war die Auswahl etwas größer. Die Schürze mit den breiten Trägern, die Jumper Schürze , gehörte zum Alltags-Outfit . Kleider waren oft selbst genäht, die Pullover und Jacken selbst gestrickt. Die Unterwäsche bestand aus halblangen wollenen Bleyle- oder Viskose-Schlüpfern, z.T. mit angerauter Innenseite, lachsfarbenen Miedern und Büstenhaltern aus Baumwolle, und war so abturnend, dass die Menschheit in dieser Zeit eigentlich hätte aussterben müssen. War aber nicht so. Es gab immer noch kinderreiche Familien, zwar nicht mehr so viele wie in den Generationen davor, aber vom „Babyknick“ war noch keine Rede. Sicher war diese Art von Dessous in manchen Fällen auch ein ökologisch einwandfreies Verhütungsmittel.

Irgendwann hatten die Frauen auch ein Paar sündhaft teure Nylons mit Naht in der Kommode. Die wurden behandelt wie rohe Eier und nur mit Handschuhen an- und ausgezogen, damit es ja keine Laufmasche gab. War es dennoch einmal passiert, konnte man sie in speziellen Läden zu einem geringen Preis reparieren lassen.

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Foto 3: Kindergarten Adolf von Hansemann um 1950

Wir Kinder trugen dagegen im Winter dicke Wollstrümpfe, die an einem sogenannten Leibchen mit einem Gummiband mit Knopflöchern und Wäscheknöpfen befestigt wurden. Was war doch die spätere Erfindung der Strumpfhose für ein Segen! Die Kinder waren ansonsten zweckmäßig angezogen. Die Mädchen im Kleidchen, immer mit Schürze. Für Sonntags die weiße aus Voile mit Stickerei und für die Gartenarbeit und „für draußen“ wurde ich in eine Trainingshose aus einem ähnlichen Material wie die angerauten Damen-Schlüpfer, meist dunkelblau, gesteckt.

Meine Mutter bestrickte damals mich und meine beiden Cousinen, und meine Tante nähte im Gegenzug drei identische Kleidchen mit Stoff, den die Großmutter gekauft hatte. Es war auch üblich, dass Kleidung von jüngeren Geschwistern nachgetragen wurde, wenn die Großen raus gewachsen waren. Gott sei Dank war ich Einzelkind, aber meine Sachen gaben wir immer an eine andere Familie mit zwei kleineren Mädchen weiter. Alles war damals, gemessen an den Arbeitslöhnen, recht teuer und „Kik“ und Konsorten gab es noch lange nicht. Dafür waren die Materialien von guter Qualität und hielten 2-3 Kinder locker aus.

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Foto 4: Sonntagsausflug nach Mengede

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Foto 5: Auf dem Weg zur Arbeit

Trotz der beschränkten Mittel machte man sich sonntags und bei besonderen Anlässen aber immer schick. Mit Hut, Krawatte, Handschuhen. Reine Freizeitbekleidung gab es nicht, und so sah man schon mal Männer, die mit Hut, Krawatte und einfachem Jackett auf dem Fahrrad zum „Pütt“ fuhren.

 

 

 

 

 

Fotoquellen:

Die Fotos 1, 3 und 5 wurden von Fr. -Heinrich Veuhoff, die Fotos 2 und 4 wurden von Bärbel Howarde zur Verfügung gestellt.

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