Der 20. Juni – „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“

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 Der „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“
– Auftakt für eine neue Willkommenskultur?

Seit letztem Jahr gibt es für die Deutschen einen zusätzlichen Tag des Gedenkens, der am kommenden Samstag, dem 20. Juni, erstmals und dann jährlich wiederkehrend begangen werden soll.
Es handelt sich um den „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“. Die jetzige Bunderegierung hat den Gedenktag am 27.8.2014 beschlossen. Sie setzte damit einen Beschluss des Bundestages vom Februar 2011 um.

Schwarz-Gelb hatte damals beschlossen, einen Gedenktag für die Vertriebenen einzurichten und diesen auf den 5. August terminiert. Das Datum bezog sich auf den 5.8.1950. An diesem Tag wurde in Stuttgart die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ verabschiedet. Dieses Dokument wird von den Initiatoren des Gedenktages als „Meilenstein“ auf dem Weg zur Europäischen Union und als ein „Gründungsdokument“ der damaligen Bundesrepublik angesehen. Der damalige Beschluss, vor allem die einseitige Bezugnahme auf diese „Charta“ erzeugte heftigsten Widerstand in den Oppositionsparteien und bei zahlreichen gesellschaftlichen, auch internationalen Gruppierungen.

Danach passierte lange nichts. Die jetzige Regierung suchte ab 2013 nach einem Kompromiss für das Datum und fand ihn im 20. Juni. Die Vereinten Nationen hatten bereits im Jahr 2001 dieses Datum zum Weltflüchtlingstag erklärt. Damit könnte die Gefahr sinken, dass sich der deutsche „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“ lediglich in einer nationalen Nabelschau erschöpft. Was der Angelegenheit satirische Züge verleiht: In Deutschland gibt es bereits mehrere verschiedene Gedenktage, die an die Opfer von Flucht und Vertreibung erinnern. In Bayern, Sachsen und Hessen wird er seit 2014 jeweils am 2. Sonntag im September begangen. Dazu gibt es den Volkstrauertag im November, an dem ebenfalls bundesweit der Opfer von Flucht und Vertreibung gedacht wird.

Trotzdem: Sofern sich der Gedenktag nicht nur – wie von den Initiatoren gedacht – allein auf nationale Ereignisse zum Ende des zweiten Weltkrieges bezieht, könnte er sogar Sinn machen. Es gibt viel zu tun, allein wenn man sich die Zahlen in Erinnerung ruft, die das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen veröffentlicht hat. Danach sind im Jahr 2014 über 50 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben worden bzw. befinden sich auf der Flucht. Unsägliche Tragödien spielen sich jeden Tag vor den Toren Europas ab.
Wenn es gelingen könnte, in Verbindung mit dem Gedenktag die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf dieses Elend zu lenken und Strategien für eine Willkommenskultur in unserem Land zu entwickeln, dann könnte es sich um eine Veranstaltung handeln, der man viel Erfolg wünschen möchte.

Wir werden sehen!

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