Die letzten Mohikaner 3. Folge – Siegfried Zink zum 80. Geburtstag

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S. Zink mit Taubenküken

„Die letzten Mohikaner“– Brieftaubensport in Mengede (3. Folge)
Der letzte Mohikaner ist ein 1826 erstmals erschienener historischer Roman des amerikanischen Schriftstellers J. F. Cooper (1789–1851). Die Handlung spielt zur Zeit des Siebenjährigen Krieges in Nordamerika. Es handelt sich um die zweite Folge aus der Serie „ Der Lederstrumpf.“Im Titel wie im Roman wird der Untergang nordamerikanischer Indianerstämme durch die vorrückenden europäischen Siedler beschrieben. Darauf bezieht sich das geflügelte Wort „der letzte Mohikaner“. Es steht für die letzten Zeitzeugen einer Idee oder – wie nachfolgend beschrieben – einer Sportart, die vor allem das Ruhrgebiet geprägt hat.
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von links: W. Vedder- S. Zink – F. Jasinski – F. Bleibtreu

In einem Beitrag vom 20.5.2015 hat MENGEDE:InTakt! über den Brieftaubensport in Mengede berichtet. Zunächst haben wir Taubenzüchter vorgestellt, die sich schon ihr Leben lang dem Brieftaubensport gewidmet haben.

Des Weiteren haben wir uns mit allgemeinen Themen rund um den Brieftaubensport beschäftigt, wie Anfänge des Brieftaubensports im Ruhrgebiet – Brieftauben als Informationsvermittler – Orientierungsvermögen – Wettflüge und kritische Anmerkungen der Tierschutzverbände.(Einzelheiten siehe: http://mengede-intakt.de/2015/05/20/die-letzten-mohikaner/ )

In der zweiten Folge haben wir mit Winfried Vedder den Zweit-Jüngsten der vorstehend abgebildeten „letzten Mohikaner“ vorgestellt. Heute beschäftigen wir uns mit Siegfried Zink, der am 29.7.  80 Jahre alt wird, und somit der Senior der drei Taubenzüchter am Ort ist.Tauben Zink 1

Seit 25 Jahren befindet er sich im Ruhestand. Seitdem kann er sich ausgiebig seinem Hobby als „Taubenvatter“ widmen. Ein Hobby, dass er seit nunmehr 69 Jahren betreibt, denn bereits mit 11 Jahren war er von den Brieftauben so fasziniert, dass er kaum Augen und Ohren für andere Dinge um sich herum hatte. Er versorgte, züchtete und schickte seit dieser Zeit eigenständig Tauben – anfangs unter der Aufsicht seiner Eltern bzw. des Großvaters. Die waren damals froh, dass der Junge eine vernünftige Beschäftigung und keine Zeit hatte, großen Unsinn zu treiben.

Die Eltern wohnten in der Haberlandstraße, und er hatte dort über dem Schweinestall im Garten einen Verschlag, in dem er anfangs acht Tauben halten konnte. Bis 1957 wohnte er da, dann heiratete er und zog mit seiner Frau in die Paul-Gerhard-Straße. Seit 1982 wohnt er in der Mengeder Straße. Immer war bei seinen Umzügen entscheidend, dass er seine Tauben mitnehmen konnte bzw. genügend Platz hatte, sie unterzubringen. Und natürlich ging das alles nicht ohne das Verständnis seiner Frau. Hätte die ihn nicht bedingungslos unterstützt, er hätte dem Taubensport schon längst adé sagen müssen.

Zurück zu den Tauben und die Entwicklung im Taubensport. Der Rückgang des Taubensports hat viele Ursachen. Hauptursache ist die fehlende Zeit – das Hobby ist zeit- und geldaufwändig, aber es kommen weitere Aspekte hinzu. Alle zusammen lassen wenig Hoffnung, dass sich an der Situation noch einmal etwas ändern wird. Siegfrieds Zink Beobachtung fasst er zu folgender resignativer Erkenntnis zusammen: „Je mehr Züchter ihre Schläge aufgeben und deswegen die Anzahl der Brieftaubenzüchter immer weiter zurückgeht, umso komplizierter wird das „Miteinander“.

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Auch der Taubensport kommt nicht mehr ohne komplizierte Regeln aus. Damit wird versucht, die unterschiedlichen Interessen der Mitglieder einer Reisevereinigung auf einen Nenner zu bringen. Natürlich möchte jeder, der seine Tauben an Preisflügen teilnehmen lässt, auch gewinnen. Da treffen dann schon mal die unterschiedlichen Philosophien aufeinander.

Gewinnen um jeden Preis, auch wenn die Wetterbedingungen vor Ort eher davon abraten, die Tauben aufzulassen – das geht bei Siegfried Zink gar nicht. Wenn es z. B. wegen der großen Hitze – wie kürzlich an einem sehr heißen Wochenende – angeraten wäre, den Preisflug ganz abzublasen – stellt er sich eher auf die Seite seiner Tauben.Nur machmal macht er gegen seine Überzeugung mit. Das ist ein Abwägungsprozess, der in einer Reisevereinigung selten einstimmig verläuft und häufig zu kritischen Momenten führt. Dabei „knallt“ es dann auch schon mal. Einen solchen Moment hat es vor 17 Jahren bei S. Zink gegeben. Er wechselte verärgert von Mengede zur Reisevereinigung Achenbach in Brambauer. Dass er nach diesem Wechsel gar RV-Meister wurde, war nicht eingeplant, hat aber doch eine gewisse Genugtuung bereitet. Seine Tauben haben bei 11 Flügen 51 von 55 Preisen bzw. bei 12 Flügen 56 von 60 Preisen geholt.

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Eine örtliche Zeitung nahm dies zum Anlass, über ihn und seine Tauben zu berichten. Der Reporter fragte S. Zink nach dem Erfolgsrezept oder ob er gar mit Säften und Pülverchen – heute hieße das Doping – nachhelfen würde. Die kurze und knackige Antwort kann vorausahnen, wer S. Zink kennt: „Alles Quatsch! Seine Tauben muss man mögen, sie als empfindsame Lebewesen akzeptieren und sich voll und ganz auf sie einstellen können“. Erst dann könne man durch eine intensive Betreuung und durch ein gutes Händchen bei der Züchtung auch ein erfolgreicher Züchter sein.

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S. Zink und F. Jasinski

Auch wenn man es als Außenstehender nicht glauben mag, zu allen Tauben im „Schlag Zink“ hat der Züchter ein vertrauensvolles Verhältnis. Wenn es überhaupt ein Erfolgsgeheimnis gibt, dann in erster Linie, wie der Züchter mit seinen Tauben umgeht. Der Taubenzüchter muss auch ein Taubenliebhaber sein. S. Zink schränkt ein: „Jedenfalls bei mir und bei den Züchtern, die ich kenne, insbesondere bei denen in meiner Nachbarschaft“. Das ist ja schon mal eine Ansage.

Raubvögel – Sperber, Habichte und Wanderfalken – sind die „Hauptfeinde“ der Tauben. Sperber und Wanderfalken jagen sie meist, wenn diese sich unterwegs auf Preis- oder Trainingsflügen befinden. Der Habicht versucht vor allem Jungtauben zu schlagen, wenn sie sich in der Nähe des Heimatschlages auf ihren Trainingsflügen fit machen und noch relativ unerfahren sind. Das heißt, der Habicht kommt auch ziemlich nah an die Schläge heran. Die Verluste sind schmerzlich für die Züchter, aber noch überschaubar.

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Ein Habicht hat eine junge Wildtaube geschlagen

Sollte sich allerdings ein Wanderfalke einmal in einem der Türme der beiden Mengeder Kirchen ansiedeln, dann müssten sie ihr Hobby wohl aufgeben.

Zurück zum Alltag des Taubenzüchters Zink. Ähnlich wie sein Züchterkollege W. Vedder hat er 100 Tauben in seinem Schlag: 50 Jungtauben, 25 Alttauben und 25 Zuchttauben. In der Zeit von Februar bis September eines jeden Jahres erfordern die Tauben eine tägliche Betreuungszeit von 5 1/2 bis 6 Stunden – morgens etwa 3 ½ und nachmittags etwa 2 ½. Die Reisetauben und die Jungtauben werden nach einem festgelegten Zeitplan getrennt für eine Stunde zu den täglichen Trainingsflügen aufgelassen. Wenn die eine Gruppe unterwegs ist, werden deren Schläge gereinigt. Dieser Ablauf unterscheidet sich die bei den Züchtern nur unwesentlich.

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6 Stunden tägliche Arbeit sind die Regel. Bei S. Zink kommt hinzu: Neben der Versorgung der Tauben verbringt er noch mehr Zeit mit ihnen, denn die Schläge sind so gebaut, dass er von seinem Wohnzimmer aus alles im Blick hat und nur etwa 10 Meter benötigt, um ohne Umwege in seinen Schlägen zu sein. Das erklärt und macht nachvollziehbar, dass ihm jede einzelne Taube wichtig und ans Herz gewachsen ist.

Kürzlich – es war ein Besprechungstermin mit MENGEDE:InTakt! vereinbart – musste er diesen Termin absagen, weil ein „Taubenkasper“ aus Velbert angerufen und ihm berichtet hatte, eine seiner Tauben sei bei ihm abgegeben worden. Alle Tauben haben einen Ring mit der Telefonnummer des Züchters. Also, nichts wie hin und die Taube abgeholt.

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S. Zinks anhänglichste Taube

Dass die Züchter auch Mediziner sind, nicht im Sinne des Freiburger Dopingarztes Klümper, sondern sondern auch als Heiler und Pfleger tätig sind, beweist folgende Geschichte. Eine seiner Tauben kam nach einem Preisflug schwer verletzt zum Schlag zurück. Sie muss nach Ansicht des Züchters unterwegs von einem Sperber angegriffen worden sein. Jedenfalls hatte sie den Kropf aufgerissen – vom Hals bis zum Ansatz der Schwanzfedern. Sie saß vor ihm; „Tauben schreien nicht“, aber der Anblick habe ihn völlig fertig gemacht. Dann habe er sich zusammengerissen und die Wunde fachmännisch so gut es ging, versorgt und zugenäht.
Die Taube wurde wieder gesund, hat sich aber vier Wochen nicht aus dem Schlag getraut. Jetzt genießt sie das „Altenteil“, das heißt, sie fliegt nur noch um das Haus herum, wird aber nicht mehr zu Preisflügen geschickt. S. Zink empfindet sie als besonders anhänglich.

Viele solcher Geschichten könnte Siegfried Zink aus seinem langen Leben als „Taubenkasper“ erzählen. Doch das ist eher nicht sein Ding oder genauer gesagt, als alter westfälischer „Dickschädel“ braucht es schon eine gewisse Zeit, bis er warm geworden ist und dann etwas über sich erzählt So, wie die folgende – noch ganz frische Begebenheit.

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Es ist erst ein paar Tage her, als er auf einem Jahrestreffen der „Taubenkasper“ aus der Region von einem älteren Herrn angesprochen wurde. Abgesehen davon das dieser „ältere Herr“ erst um die 6o Jahre alt war – als der hörte, S. Zink käme aus Mengede, bekam der leuchtende Augen und fing an zu schwärmen: In Mengede habe es einen Taubenzüchter mit exzellenten Tauben und ungewöhnlichen Erfolgen gegeben; den müsse er als Mengeder doch einheitlich kennen, diesen Siegfried Zink. Ja, der sei ihm bekannt, lautete die Antwort. Erst viel später am Abend habe er ihm gesagt, dass er selbst dieser Zink sei.

Wer kann von sich behaupten, dass zu Lebzeiten schon so voller Hochachtung über ihn gesprochen wird.

Solange es dem Taubenzüchter und Taubenliebhaber Zink  gesundheitlich einigermaßen gut geht, will er seinem Hobby nachgehen. Über das Geld, das ihn seine Leidenschaft für den Brieftaubensport gekostet hat, mag er gar nicht sprechen. „Es ist ein teures Hobby, teurer als Golfspielen“.  Er schätzt, er hätte locker dreimal im Jahr damit in Urlaub fahren können. Aber kein Urlaub kann so schön sein, dass er ihn seiner Idylle in der Mengeder Straße vorziehen würde.

Kurzum: Beste Voraussetzungen 100 Jahre alt zu werden. Den Nachbarn soll es recht sein. Ihnen würde etwas fehlen, wenn sie auf das tägliche Gurren der Tauben und die freundliche Ansprache der Tiere durch ihren Züchter verzichten müssten.

Hinweis: Zum Vergrößern der Bilder diese bitte anklicken.
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