Kindheit in der Zechensiedlung (15)

Fernseher und SchallplattentruheHoward B.

Bis zum Ende der 50er Jahre war das Fernsehgerät in den Bergmannshäusern angekommen, was man am immer dichter werdenden Antennenwald auf den Dächern erkannte.

Die Fernsehantenne war zugleich ein Signal an die Nachbarschaft: „Leute, ich habe auch einen!“ Das Programm lief nicht wie heute rund um die Uhr, sondern begann nachmittags mit Kindersendungen.

Es gab zum Beispiel die Serien „Lassie“ und „Fury“, die von einem tapferen Collie-Hund und einem treuen Hengst handelten. Zu Weihnachten sah man die Geschichte von „Peterchens Mondfahrt“, in der zwei Kinder dem Maikäfer „Sumsemann“ halfen, das verlorene sechste Beinchen dem bösen Mann auf dem Mond abzujagen. Das sendete man viele Jahre so verlässlich, wie heute die „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.

Danach folgte das sogenannte „Intermezzo“, eine Sendung mit Werbespots. Heute wirken machen davon durch die gestelzten Darsteller oder dem Zeitgeist entsprechende Inhalte eher wie Komik. Das cholerische HB-Männchen ist aber Kult und würde heute, wäre Zigaretten-Werbung nicht verboten, sicher auch noch gut ankommen.“Warum in die Luft gehen? Greife lieber zu HB, dann geht alles wie von selbst !“

Dieser und viele andere Werbesprüche haben sich bei mir im Langzeitgedächtnis eingebrannt. Zwischen dem Werbeprogramm sendete man Vorabendserien, wie die mit dem Taucher „Mike Nelson“, „Alarm für Isar 12“ über eine Polizeiwagenbesatzung in München und einige andere. Die Filme wurden immer am Stück gezeigt und nicht wie heute ständig unterbrochen von Werbespots.

Um 20 Uhr gingen für eine Viertelstunde die Tagesschau-Nachrichten auf Sendung. Danach kam das Abendprogramm. Es gab die Serien „Die Schöllermanns“ und die „Hesselbachs“, viele Operetten, alte Filme z. B. mit Heinz Rühmann und samstags saß die Familie nach dem Baden vor der „Glotze“, um sich die Aufführungen des „Millowitsch-, oder „Ohnesorg Theaters“ anzuschauen. Die Fernsehbilder auf den noch kleinen Bildschirmen waren schwarz-weiß, und alle Sendungen wurden begeistert und kritiklos konsumiert. Es gab ja nur diese.

Besonders erinnere ich mich noch an den Krimi „Das Halstuch“, der in mehreren Folgen ausgestrahlt wurde. Das war ein regelrechter „Straßenfeger“. Ganz Deutschland saß vor den Geräten und spekulierte, wer wohl der Täter sein könnte. Aber kurz vor dem Ende der Serie wurde das Geheimnis durch die Indiskretion eines Berliner Kabarettisten verraten, was tagelang für Schlagzeilen in der „Bild Zeitung“ sorgte.

Das Programm ging bis ca. 23 Uhr, und danach konnte man sich nur noch das Testbild anschauen.

Parallel gab es zur Unterhaltung die Schallplattentruhe, oft mit Radio kombiniert. Sie bestand in unserem Fall aus einem kommodenartigen Schrank mit Plattenspieler und Plattenfach auf der einen und auf der anderen Seite gab es eine Vitrine mit Glasschiebetür für allerlei Nippes. Ein respektables Radio gehörte mit zu diesem Ensemble, denn gerne wurden die samstäglichen Berichte der Fußball-Liga am Radio gehört.

Die Schallplattenauswahl war bei uns eher konservativ bis miefig . Jodler, Märsche, „Die kleine Bimmelbahn“ und „Der Mond von Wanne-Eickel“ wurden abgespielt. Und besonders oft das traurige Lied vom Edelweiß. Darin wollte ein bayrischer Alpinist als Liebesbeweis hoch auf dem Berg ein Edelweiß für seinen Schatz pflücken. Er stürzte dabei ab und starb. Hätte die Pflanze schon damals unter Naturschutz gestanden, wäre es vielleicht zu einem Happy End gekommen.

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