Hundstage in Mengede

Hoeneß und der Mengeder Heidedichter
Herbert Flönz

Eine Kolumne von Heinrich Werbedes
Prost Stammtischbrüder!

Versuche gerade mit einem Löffelstiel meine festgeklebte Zunge vom Gaumen zu lösen um mit euch eine Kaltschale zu genießen. Ist das heiß. Hundstage in Mengede. Die Luft flimmert wie ein kaputter Fernseher.

Früher machte mir Hitze nichts aus. Knallte meinen Adoniskörper noch, dämlich wie ich war, in die Sonne, ohne an Hautkrebs zu denken. Nun ja, wurde dann auch während des Urlaubs am Timmendorfer Strand zum „ Mister Strandgeflüster“ gewählt. Waren schon Zeiten, die späten 60er des vorigen Jahrhunderts. Aber heute leide ich. „ Habe keine Schwitze mehr!“, würde Herbert Knebel sagen. Kriege bei dem Wetter nichts gebacken.

Habe von Herrn B. vom Finanzamt Do-West einen Brief erhalten. Er möchte endlich meine Steuererklärung 2014 haben. Ein wenig droht er mir auch mit Repressalien. Nicht wie bei Hoeneß mit Gefängnis, sondern mit Säumniszuschlag und so.

Fahre also zum Finanzamt und ziehe mir am Bürgerbüro eine Nummer. Bin der einzige Kunde im Warteraum. Klar bei dem Wetter. Meine Nummer wird angezeigt.
Ich klopfe höflich an die mir zugewiesene Tür, öffne diese einen Spalt und frage: „ Sind sie schon angezogen?“ Kenne das ja von meinen Frauen zu Hause. Die haben es nicht gerne, wenn ich einfach so reinplatze. Die mich empfangende Stimmung ist eisig, obwohl ich im Raum keine Klimaanlage orten kann.

Bringe mein Anliegen vor und bitte um eine Fristverlängerung. Die Beamtin macht einen Vermerk. Ein Bescheid zu meinem Ersuchen würde in Kürze folgen. Wäre wegen der Kühle im Raum gerne noch ein wenig geblieben.
Entschließe mich dann aber doch nach Hause zu fahren.

Mein, oder besser unser Hund wartet schon. Meine Girls wollten vor Jahren den Hund haben. Am anderen Ende der Leine häng ständig ich. Klar, bin ja Rentner. Soll ja viel Zeit haben.
Und Bewegung brauche ich angeblich auch. Im Winter ja, aber im Sommer…….

Gehe also mit dem Hund spazieren. Zuerst durch das fast ausgestorbene Mengede, dann durch die Mengeder Heide, Richtung Ickerner Busch. Dort treffe ich im Wald auf einer Bank sitzend, ein kleines Männlein mit grünem Hut, Blutwurst essend. Wir kommen ins Gespräch. Er scheint mich zu kennen. Ich frage ihn nach seinem Namen. Er stellt sich mir als Herbert Flönz vor. Er sei wie Hermann Löns auch Heidedichter. Allerdings nur Mengeder Heidedichter.

Dann drückt er mir noch einen Zettel mit einem seiner frühen Gedichte aus der Nachkriegszeit in die Hand und verschwindet. In bestem Deutsch mit leichtem Masurenakzent steht dort:
„Scheen ist, wenn im Grase liegt, schlimm ist, wenn in Fresse fliegt!“ Iiibergeschrieben: Dem Handgranate.

Beschließe, bei dem Wetter zukünftig zu Hause zu bleiben. Ist wohl besser.

In diesem Sinne
Euer Heinrich Werbedes!

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