Von der Oder an die Emscher

Zum Tod von Jost HubertJost1

„Erinnerungen, die unser Herz berühren, gehen niemals verloren.“ Viel Wahrheit und Aufrichtigkeit in einem Leitsatz zum Tode von Jost Hubert. Ein Satz, der zum Nachdenken anregt. Ähnlich im Grundtenor hatte er bereits seine Autobiographie überschrieben: „Wenn ich mich recht erinnere“, aus der MENGEDE:InTakt! in den letzten Wochen auszugsweise berichtet hat.

Und es gab vieles in den ihm zugedachten 87 Lebensjahren, was sich schicksalhaft in sein persönliches Erleben eingebrannt hatte, was ihn hatte reifen lassen und was ihn zu einer souveränen Persönlichkeit formte, die uns alle beeindruckte.

Geboren am 3. August 1928 in Breslau, als ältestes Kind einer Großfamilie mit 13 weiteren Geschwistern, hatte er schon früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Und doch lassen seine Aufzeichnungen erahnen, dass seine Kindheit in seiner schlesischen Heimat einen harmonischen und sorgenfreien Verlauf hatte.

Ein brutaler Schnitt und ein abruptes Ende der häuslichen Geborgenheit war dann für den 16jährigen, dass er noch kurz vor dem Kriegsende als Flakhelfer eingezogen wurde und als russischer Kriegsgefangener für die Nazi-Verbrechen büßen musste. Der Tod seiner erst 38jährigen Mutter war eine weitere Katastrophe, die er auszuhalten hatte.Jost2 (1)

Ein neuer Lebensabschnitt, dann bereits in Westdeutschland, begann für Jost Hubert mit seiner ersten Berufsausbildung. Zunächst als Maurerumschüler, dann ein Aufstieg bis hin zum Maurermeister, gab ihm eine gewisse wirtschaftliche Sicherheit. Sein großes Glück aber fand er, als er seine Hertha kennen- und lieben lernte. Sie und ihre 5 gemeinsamen Kinder beflügelten ihn, trotz der körperlichen Strapazen seines Handwerker-Berufs, auch seine intellektuellen Fähigkeiten nicht zu vernachlässigen.

Und er wagte dann, bereits im 43. Lebensjahr, ein Pädagogik-Studium. Hier hatte er endlich einen Beruf gefunden, der ihn ausfüllte und der ihm Gelegenheit gab, anderen Menschen auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden zu helfen und sie an seiner reichen Lebenserfahrung teilhaben zu lassen. Seine Überzeugung, sich dort einbringen zu müssen, wo soziale Benachteiligungen auszugleichen sind, drückte sich aus durch seine intensiven Integrationsbemühungen bei seinen türkisch-stämmigen Schülern.

Parallel zu seinem beruflichen Engagement verlief Jost Huberts Einsatz im und für den TV Mengede. Auch hier kümmerte er sich intensiv um die Jugendlichen. Obwohl er selbst kaum über Erfahrungen im Basketballspiel verfügte, gelang es ihm – auch als weitere Hilfe für seine türkischen Schüler – eine Basketball-Mannschaft unter dem Dach des TV Mengede zu organisieren. Und als es einmal partout keinen Kandidaten für das Amt des 1. Vorsitzenden gab, war es Jost Hubert, der sich zur Verfügung stellte.

Er liebte den Diskurs. Politisch immer auf Distanz mit den jeweils Regierenden, dennoch konstruktiv in seinen Anregungen, nahm er emotional teil an allem, was tagesaktuell zu bereden war. Bis zuletzt war er interessierter Leser der Süddeutschen Zeitung.

Jost Hubert starb am 07. September 2015. Wir wünschen seiner Familie viel Kraft dabei, den Verlust des Ehemanns, Vaters, Schwiegervaters und Großvaters bewältigen zu können.

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