Was macht eigentlich (4)… Prof. Dr. Olaf Goebel?

Heute:

Mengeder Ingenieur baut das größte goebel 2 -HSHLProf.-Dr.-Ing.-Olaf-Goebelsolarthermische Wüstenkraftwerk der Welt

Seine Freunde, Verwandte und Nachbarn in der Mengeder Heide erinnern sich gern an den aufgeschlossenen Gymnasiasten, bei dem, animiert durch seine experimentierfreudigen Cousins, schon bald sein Interesse an technischen Vorgängen geweckt wurde.

Heute, nach erfolgreichem Maschinenbau-Studium an der RWTH Aachen, Promotion und einzigartiger Karriere bei der Mitwirkung und Leitung internationaler Großbauvorhaben, lehrt er an der Hochschule Hamm-Lippstadt im Studiengang „Energietechnik und Ressourcenoptimierung“. Prof. Dr. Ing. Goebel gehört heute zu den weltweit anerkanntesten Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Nutzung der Solarenergie.

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Vertreter der VHS Hamm (in der Mitte Prof. Dr. Olaf Goebel)

Anlässlich eines von ihm am 29. September 2015 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Campus-live“ der Volkshochschule Hamm gehaltenen Vortrags mit dem Thema „Leben und Arbeiten in der Golf-Region“ hatten wir von MENGEDE:InTakT! die Gelegenheit, einiges aus seinem verantwortungsvollen beruflichen Wirken zu erfahren.

Die Anfänge dieser großartigen Karriere lagen also in seinem familiären Umfeld in der Mengeder Heide. Sein Cousin Ekkehard, der ebenfalls bei seinem Vortrag zum Zuhörerkreis gehörte, war sein großes Vorbild. Dessen Modellflugzeuge mit Fernsteuerung und Verbrennungsmotor machten damals den kleinen Olaf neugierig: Wie funktioniert das alles?

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Auch im Zuhörerkreis: Cousin Ekkehard, sein früherer „Mentor“

Nach seinem Studium begann er seine berufliche Laufbahn  bei der europäischen Raumfahrt-Agentur ESA, wo er über das „Young GraduateProgram“ eine Zusatzausbildung bekam. Schon in dieser Zeit fokussierte sich jedoch sein Interesse auf die Erforschung der erneuerbaren Energien. Durch einen Wechsel zum Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR), wo man sich intensiv der Erforschung der Solarenergie widmete, vertiefte er seine Kenntnisse und erwarb nebenberuflich zum Thema „Wärmeübergang in Absorberrohren von Parabolrinnen-Solarkraftwerken“ seinen Doktortitel.

Nach seinem Einstieg bei „Lahmeyer International“, einer international agierenden Ingenieurgesellschaft, betreute Dr. Goebel fast ausschließlich Auslandsprojekte, die ihn sensibilisierten, die unterschiedlichen Mentalitäten der Menschen in den Weltregionen besser zu verstehen. Seine Tätigkeit in diesem Unternehmen führte ihn u.a. nach Saudi-Arabien, Bahrain, Iran, Nordafrika, Lybien, Ägypten, auf die kapverdischen Inseln und in die Vereinigten Arabischen Emirate.

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Wüste Abu Dhabi

Hier wurden auch die Scheichs aus Abu Dhabi auf ihn aufmerksam. Das ölreiche Emirat hatte sich zum Ziel gesetzt, mit dem Erdöl weiterhin internationale Geschäfte zu machen, für den eigenen Energiebedarf aber die Sonne „anzuzapfen“.
Es ist bekannt, dass alles was in den reichen Golfstaaten angefasst wird, alle bekannten Dimensionen sprengen muss: Das höchste Gebäude der Welt, das teuerste Hotel der Welt, die modernste Formel 1-Rennstrecke der Welt – so plante man dort natürlich auch das größte Solarkraftwerk der Welt.

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Bauelemente für das Solarkraftwerk

Und für die technische Leitung zeichnete Olaf Goebel verantwortlich. Ein 100 MW-Kraftwerk – ausreichend für die Versorgung mit Elektrizität einer Stadt in der Größenordnung von Hamm – mit einem Investitionsvolumen von 720 Millionen Dollar war die Herausforderung, der sich Dr. Goebel zu stellen hatte.

 

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Mit Bundeskanzlerin Merkel auf der Baustelle

Ein leeres Stück Papier, auf dem er zu Beginn des Projektes auflistete, was alles zu tun und zu beschaffen sei, war alles, was er zu Beginn seiner Tätigkeit vorfand. Einzig vorhanden war der Wunsch der Regierung, ein solches Kraftwerk zu errichten. Es gab kein Konzept für die benötigten Subventionen und es gab noch keine Messung der Solarstrahlung. All das musste in Angriff genommen werden.

Nach dem Baubeginn Mitte 2007 wurde das Wüstenkraftwerk „Shams 1“ (Shams = arab. für Sonne) in ca. 5 Jahren fertiggestellt und am 17.03.2013 in einer feierlichen Zeremonie in Betrieb genommen.

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Olaf Goebel mit Sohn Jakob

Dazwischen lagen für den Ingenieur aus Mengede aufregende Jahre. Von der Planung über die Finanzierung bis hin zur Materialbeschaffung, alles ging über seinen Schreibtisch. Die Kontakte zu den sog. „Locals“ – das sind in der Drei-Klassen-Gesellschaft Abu Dhabis die Einheimischen (alles Millionäre!) – gehörte ebenfalls zu seinem Pflichtprogramm.
Darüber hinaus noch Zeit zu haben für die eigene Familie (mit seiner Frau hat er zwei kleine Jungen) war oft ein besonderes Problem.

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Neuer Wirkungskreis: Hochschule Hamm-Lippstadt

Eine neue reizvolle Aufgabe ergab sich für Dr. Goebel, als er dem Ruf der neugegründeten Fachhochschule Hamm-Lippstadt nachkam. Auf die Frage, warum er den finanziell lukrativen Job in dem Golfstaat nun für eine Professur an einer deutschen Fachhochschule eintauscht, gab Prof. Dr. Goebel eine für einen echten Mengeder symptomatische Antwort: „Bei meiner Arbeit in Abu Dhabi hat es mich immer gefreut, wenn Deutsche Erzeugnisse das Rennen gemacht haben bei unseren weltweiten Ausschreibungen. Es ist einfach ein gutes Gefühl, zu wissen, dass wir in Deutschland Sachen produzieren, die so gut sind, dass sie sich am Markt durchsetzen. Wenn ich dann mit den Geschäftsführern bzw. Vorständen dieser Firmen ins Gespräch komme, dann höre ich überall die gleiche Geschichte: Es gibt nicht genug Ingenieurnachwuchs. Ich möchte im Rahmen meiner Möglichkeiten einen kleinen Beitrag dazu leisten, diese Situation zu verbessern. Ich denke der Ingenieurberuf ist etwas Wunderbares, und er bietet Entfaltungsmöglichkeiten wie kaum ein anderer. Diese Botschaft will ich versuchen zu vermitteln.“

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