Arme Kirche ?!

Plädoyer für einen TurmKirchturm im Herbst

Was wäre Ulm ohne sein Münster, Köln ohne die Zwillingstürme des Doms, München ohne die Zwiebeltürme der Frauenkirche oder Hamburg ohne seinen Michel? Markante und weithin sichtbare Bauwerke stiften Identifikation und geben der Heimat ein Gesicht.

Unübersehbar auch bei uns in Mengede die beiden Kirchtürme der katholischen und evangelischen Remigiuskirche. Sie sind die Ersten, die uns grüßen, wenn man von längerer Reise heimkommt. Sie signalisieren: Gleich bist du zu Hause.

Die allgemeine Religionsverdrossenheit hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass viele Kirchengemeinden mangels Mitglieder notgedrungen schließen und ihr Gotteshaus entwidmen mussten. Früher undenkbar, wird heute an manchen Orten an gleicher Stelle Pizza verkauft.

Ähnliche Sorgen plagen auch die Bewohner Nettes. Die katholische Kirche muss, nachdem ihr langjähriger Pfarrer Ulrich Stahl in den Ruhestand getreten ist, darauf warten, ob für ihn noch ein Nachfolger gefunden wird und auch bei den Evangelen wabern Gerüchte, dass man zukünftig mit anderen Nachbargemeinden noch enger fusionieren wird. Weiterhin erzählt man sich, dass der das Christensymbol tragende Glockenturm weichen müsse. Für mich undenkbar!

Der als Campanile errichtete Turm ist eine für unseren Ortsteil unverzichtbare Landmarke. Weithin sichtbar, weithin hörbar!
Ganz abgesehen von seiner religiösen Bedeutung: Er prägt unser Ortsbild wie kein anderes Gebäude. Denn was hätten wir in Nette sonst zu bieten? Eine ehemals geschäftlich florierende Ammerstraße, in der fast ausnahmslos leere Schaufenster Trostlosigkeit verbreiten?

Alle Dortmunder Leuchtturmprojekte, das ist nicht neu, befinden sich in der Innenstadt oder in den südlichen Vororten. Phönix-West, Phönix-Ost, Westfalenhallen, Westfalenpark, Westfalenstadion, Spielbank, usw., die Aufzählung ließe sich endlos fortsetzen. Das von der Stadt Dortmund initierte Projekt „Nordwärts“ soll dazu beitragen, die Defizite im Norden der Stadt aufzuweichen.

Kirchturm im Herbst

Hier nun mein Vorschlag: Wenn schon die Kirchengemeinden aus bekannter Finanznot nicht in der Lage sind, ihre repräsentativen Gebäude zu erhalten, sollte es ein Anliegen der Allgemeinheit sein, einzuspringen. Nehmt unseren „Langen“ in das Förderprogramm auf.

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