Erinnerungen an das Ende des Zweiten Weltkrieges in Bodelschwingh und Westerfilde (1)

Heute:

Zur Entstehung des Buches und Auszüge aus dem Vorwort 

Vorbemerkungen
Im Juni 2009 hat die Gruppe Bodelschwingh-Westerfilde des Heimatvereins Mengede ein kleines Büchlein herausgegeben, das Erinnerungen an das Ende des Zweiten Weltkrieges in Bodelschwingh und Westerfilde wiedergibt. Diese Erinnerungen sind in 300 Exemplaren erschienen, bis auf den Archivbestand sind sie inzwischen alle vergriffen.
Da die Texte auch heute noch aktuell sind, haben wir uns entschlossen, in loser Folge und auszugsweise die „Erinnerungen“ nachzudrucken. Wir denken aber auch, mit einer erneuten Veröffentlichung dem Wunsch der damaligen Herausgeber nach einer „lebendigen Weitergabe unserer erlebten Geschichte in Bodelschwingh und Westerfilde“ zu entsprechen. MENGEDE:InTakt! beginnt heute mit Hinweisen zur Entstehung des Buches und Auszügen aus dem Vorwort. Es folgt demnächst der erste Teil der Erinnerungen des heute 81-jährigen und früheren Bodelschwinghers Reiner Schmidt. Einer der damaligen Herausgeber – Otto Schmidt – hat die Betreuung der auszugsweisen Neuauflage übernommen und wird die damaligen Angaben – wenn nötig – durch zusätzliche Informationen ergänzen. (K.N.)
Otto_Schmidt_2015

Otto Schmidt

Zur Entstehung des Buches
Im Jahr 2008 sprach die Gruppe Bodelschwingh Westerfilde im Heimatverein Mengede über ein Buchprojekt, das sich gegen das Vergessen unserer gemeinsamen Vergangenheit richten sollte. Die Anregung dazu gab der ehemalige Vorsitzende Paul Gausepohl.
Die Redaktion bestand aus den Mitgliedern:
Barbara Gerstein, Annemarie Heinrichs, Heinrich Krämer, Siegfried Nolte, und Otto Schmidt.

Sie einigten sich auf einen gemeinsamen Befragungsrahmen

  • Wie haben Sie das Kriegsende erlebt?
  • Ist es an der Zeit, sich zu erinnern?
  • Sollen wir unsere Geschichte mit Kindern und Enkeln teilen?
  • Wie können wir unsere Kind- und Kindeskinder davor bewahren, in solche Zeiten zu geraten?

Sie sprachen mit vierzehn Zeitzeugen, die ihre Erinnerungen erzählten oder aufschrieben. Ergänzt wurden die Erinnerungen durch zwei Niederschriften bereits verstorbener Zeitzeugen und kollektiver Erinnerungen aus den Kirchengemeinden.

Die Erinnerungen schließen mit dem Gedenken an die Opfer des Krieges, die auf drei Friedhöfen in Bodelschwingh und Westerfilde bestattet sind.
Von den Erinnerungen wurden in zwei Auflagen 300 Exemplare gedruckt. Sie sind bis auf den Archivbestand vergriffen. Das Buch ist ohne Fremdfinanzierung, allein durch die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder des Heimatvereins erstellt worden und kostete 7 €. Zur Bodelschwingher Kirmes im Jahr 2009 hatte der Heimatverein zu einer Lesung aus den Erinnerungen mit den Autoren eingeladen.
Auch über den Stadtbezirk Mengede hinaus fand die Veröffentlichung Beachtung. So wurde am Sonntag, den 19. Juli 2009 vom Sender DO 91zwei in der Sendung „Peppers“ ein Interview gesendet, das Kerstin Guthmann mit Otto Schmidt geführt hatte. Darin ging es um den Inhalt des Buches und die Beweggründe, die zu dieser Arbeit geführt haben.

Auszug aus dem Vorwort des Buches
… Anhand der Lebensalter der Autoren ist zu ersehen, dass Mitglieder des Jahrgangs 1940 die jüngsten sind, die sich bewusst des Kriegsendes und einiger Zeit davor erinnern können.
Die Älteren stehen schon in ihren 70er Jahren oder sind noch älter. Die Erzählenden berichten also aus ihrer Kinder- und Jugendzeit und von dem, was ihnen Eltern und Großeltern in den Familien weitergegeben haben.

Die Erinnerungen sind zum Teil persönlich aufgeschrieben oder nach dem Gehörten wiedergegeben und dann von dem Erzähler korrigiert worden. Der Respekt der Herausgeber vor den persönlichen Erinnerungen jedes Erzählers steht vor allen Überlegungen der Nachbearbeitung.
So haben wir uns bemüht, den Erzählstil zu bewahren. Einzelne, gleiche Erlebnisse und Begebenheiten werden zum Teil unterschiedlich erzählt. Männer schreiben über Panzersperren, Flak und Volkssturm, Frauen über zerstörte Wohnungen und Lebensmittelknappheit. Persönliche Erinnerungen erheben nicht den Anspruch, frei von Irrtümern zu sein. So wurden sie von der Redaktion nicht kommentiert. Ergänzungen wurden nur dann vorgenommen, wenn sie zum allgemeinen Verständnis notwendig sind. Sie sind in Klammern gesetzt und kursiv geschrieben. Die Erinnerungen sollen durch diese Veröffentlichung erhalten bleiben und zu einer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anregen.

Die Fragestellung der Herausgeber, „Wie haben sie das Kriegsende erlebt?“, wird unserer erlebten Vergangenheit nicht gerecht. Dies haben die Befragten auch geäußert und darauf hingewiesen, daß eine Momentaufnahme, die des Kriegsendes, eine Geschichte „davor“ und „danach“ hat.

So ist den Erzählenden und den Herausgebern bewußt, daß die politischen, gesellschaftlichen und sozialen Strömungen, lange vor der Machtergreifung Hitlers und vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, beginnend mit dem verlorenen Ersten Weltkrieg, dem Ende des Kaiserreiches, den Reparations-Forderungen der Siegermächte und der Weltwirtschaftskrise, dem Antisemitismus und dem Nationalsozialismus den Boden bereitet haben.

Das Verhängnis war vielleicht nicht zu verhindern, aber vorhersehbar.

Die Auswirkungen der großen Politik spiegeln sich auch in den Erinnerungen von Bodelschwingher- und Westerfilder Bürgern, im Schicksal jedes Einzelnen und seiner Familie wieder. Bei der Arbeit an diesem Heft haben wir erfahren, daß unsere Geschichte „vor Ort“ durch Menschen ein Gesicht bekommt.

Wir wollen solche Zeiten nicht noch einmal erleben. Wir wehren uns gegen radikale Strömungen, gleich ob sie von „links“ oder „rechts“ kommen. Das Bewußtsein, in einer freiheitlich demokratischen Grundordnung leben zu dürfen, soll in uns immer lebendig sein.

So sei ein Zitat von Günter Eich (1907-1972) vor die Erinnerungen gestellt:

„Ah, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!
Schon läuft der Strom in den Umzäunungen, und die Posten sind aufgestellt.“
Nein, schlaf nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Sei misstrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen!
Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Munde nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

Aus dem Hörspiel Träume, Buchausgabe 1962 (dem Jahr der Kubakrise), Erstsendung am 19. April 1951 im NWDR, Ende des fünften Traumes.

Die Herausgeber bedanken sich bei den Autoren, die ihre Erinnerungen jetzt mit den Lesern teilen. Sie wünschen allen Lesern eine lebendige Weitergabe unserer erlebten Geschichte in Bodelschwingh und Westerfilde.

Bodelschwingh/Westerfilde Juni 2009

(Hinweis: Die „Erinnerungen“ werden am nächsten Wochenende fortgesetzt)

 

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