Auf eine Tasse Kaffee …

… heute mit Ulrich Lang

Die lange Suche hat sich gelohnt – aber es ist noch ein dorniger Weg …

„Der Volksgarten Mengede ist ein ab 1912 als Waldpark angelegter Volksgarten im Dortmunder Stadtteil Mengede mit einer Größe von ca. 16 Hektar. Die Wegeführung ist an den Ideen des Englischen Landschaftsparks orientiert. In den 1920er Jahren wurde das weitgehend bewaldete Gebiet um Spiel- und Sportflächen für den Breitensport ergänzt, die bis heute bestehen.“ So ist es bei Wikipedia zu lesen.

Seit 1912 gibt es dort auch ein Restaurant mit entsprechender Gastronomie in einem sehenswerten historischen Gebäude.  MENGEDE:InTakt! hat sich mit dessen Wirt auf eine Tasse Kaffe verabredet um zu fragen: Was macht eigentlich Ulrich Lang im Volksgarten Restaurant?IMG_1222

Wer es noch nicht weiß – Ulrich Lang ist seit Anfang 2015 hier Pächter und hat sich einen lang gehegten Traum erfüllt. Doch der Reihe nach…

Ulrich Lang kam 1958 in Nette zur Welt, dort ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach der Schulzeit erlernte er den Klempnerberuf, war danach lange als Isolierklempner und danach als Bauklempner tätig. Seine größte Baustelle als Bauklempner war damals das Kupferdach der Petrikirche. Klar, dass er sich an diese Arbeit heute noch gerne erinnert.
Seine Traumvorstellung war es schon damals, eine Gaststätte mit Gastronomiebetrieb zu übernehmen und diese natürlich dann auch erfolgreich zu führen. Die Chance bot sich im Jahr 1995 , als die „Sportklause“ in Nette in der Wodanstraße neu verpachtet wurde und er – wie er sagt – „im zweiten Anlauf den Zuschlag erhielt.“ Hier blieb er 20 Jahre lang, und am Ende zählte er mit seiner Kneipe zu den bekanntesten und beliebtesten Wirten im Stadtbezirk Mengede.

Eigentlich hatte er sich vorgestellt, in Nette auch noch weitere Jahre zu verbringen, denn Wirt und Gäste hatten sich aneinander gewöhnt und kamen gut miteinander aus. Die „Sportklause“ war zu diesem Zeitpunkt fast so etwas wie ein Begegnungszentrum geworden, und das in einer Geschäftslage, die – ebenso wie die Ammerstraße – schon mal bessere Zeiten erlebt hatte.

Deswegen gab es enttäuschte Gesichter bei allen, die sich um die Aufwertung des Bereichs Ammerstr./Wodanstr. im Ortsteil Nette bemühen, als bekannt wurde, dass der langjährige „Budiker Ulrich“ in den Mengeder Volksgarten umziehen würde.
Nach 20 Jahren „Sportklause“ war das für Ulrich Lang auch keine einfache Entscheidung, „aber wenn man als Mieter das Gefühl hat, der Vermieter lässt einen mit den anstehenden Problemen alleine, dann ist es notwendig die Reißleine zu ziehen“, so seine Erklärung.

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Das „Schloss“: Volksgarten Restaurant (Foto Dr. Ingo Herminghaus *)

Nach nunmehr knapp einem Jahr im neuen Domizil ist es vermutlich zu früh, eine erste Bilanz zu ziehen. Jedoch als Zwischenbilanz will er gerne festhalten: „Das erste Jahr war nicht ganz einfach!“ Immerhin betreibt er jetzt ein Restaurant mit Gaststätte und Hotelbetrieb, dazu einen Saal für Familienfeiern aller Art, in dem locker 100 Personen bewirtet werden können.Und nicht vergessen werden sollte, dass sich das Image eines „verstaubten Ladens“  nur langsam korrigieren lässt. Dennoch sieht er sich auf einem guten Weg. Natürlich handelt es sich um einen Job rund um die Uhr – jeden Tag in der Woche. Deshalb kommt ihm sehr entgegen, dass der jetzige Vermieter für ihn ehemalige Hotelzimmer zu einer Wohnung hat umbauen lassen.IMG_1219

So kann er im Prinzip Tag und Nacht im Hause sein und alle Dinge, die noch verbesserungsbedürftig sind, gleich von Ort und Stelle aus korrigieren. Manchem würde die dauerhafte Präsenz an seinem Arbeitsplatz nicht gefallen, aber Ulrich Lang fühlt sich in dieser Situation wohl – manchmal sogar als „Schlossherr im Schlosspark von Mengede“.

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Der „Schlossherr“

Die fortwährende Präsenz hat natürlich auch Nachteile – eine Trennung zwischen Beruf und Freizeit ist daher auf absehbare Zeit allenfalls bei Kurzurlauben möglich. Bevorzugt fährt er hierzu nach Cuxhaven, in einen Ort, in dem er sich am besten entspannen kann.

Er ist BVB-Fan, sieht die Spiele der Borussen im Moment aus Zeitgründen leider nur noch im Fernsehen. Ob das hinreichend entspannend ist – so wie es eigentlich notwendig wäre für jemanden, der sich Tag und Nacht an seinem Arbeitsplatz aufhält – können nur echte Fans bejahen.

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Es bleibt noch viel zu tun

Als „Schlossherr“ des Volksgartens hat er natürlich Vorstellungen, wie alles an Attraktivität gewinnen könnte. Aus seiner Sicht wäre es notwendig und sinnvoll, den Volksgarten an das Netz des öffentlichen Nahverkehrs anzuschließen und hier am Eingangsbereich die Haltestelle „Volksgarten“ einzurichten. Zudem möchte er gerne – unter vertretbaren Bedingungen – einen Biergarten betreiben. Die Flächen stünden dafür zur Verfügung, und er wäre auch bereit, das wirtschaftliche Risiko für ein solches Vorhaben zu übernehmen. 
Zu beiden Projekten gibt es konkrete Vorschläge und auch durchweg Befürworter. Er hofft sehr, dass die Gespräche hierüber in absehbarer Zeit zum Abschluss gebracht werden können.
Seine Idee, vor dem Volksgarten Restaurant eine Ladestation für E-Bikes zu installieren, hat er erst einmal „auf Halde gelegt“, nachdem die DEW mitgeteilt hat, die Realisierung sei zu teuer. Auch ansonsten fehlt es ihm nicht an Vorstellungen, was man noch alles tun könnte, damit der Volksgarten Mengede wieder ein attraktives Naherholungsgebiet für Spaziergänger, Wanderer, Walker und E-Biker wird – nicht nur für die Bewohner des Stadtbezirks, sondern auch für Ausflügler aus der näheren Umgebung.

Wer mit Ulrich Lang über dieses Thema spricht, spürt: Hier ist jemand, der das verwunschene „Dornröschen“ wachküssen möchte – und man traut ihm zu, dass dies sogar gelingen könnte.IMG_1223

Spätere Heimatkundler hätten dann die Möglichkeit nachzulesen, wie es 2016 im Mengeder Volksgarten aussah. Möglicherweise ähnlich wie der „Mengeder Lokalanzeiger“ bereits 1931 in einem Beitrag mit dem Titel ‚Ein Streifzug durch den Mengeder Volkspark‘ die grüne Lunge für die Mengeder Bevölkerung beschrieben hat: „Saubere Wege, gepflegte Rasenflächen und hinter dem Restaurant findet man in den Gartenanlagen wundervoll hergerichtete Beete.“

Weitere Informationen:www.info@volksgarten-mengede.de
* Zum Foto vom Volksgarten Restaurant:
Dr. Ingo Herminghaus – Mengeder Zahnarzt – ist Amateurfotograf. Einige seiner beeindruckenden fotografischen Arbeiten haben wir auf MENGEDE:InTakt! veröffentlicht – so u.a. auch den Header – die Kanalbrücke in Schwieringhausen auf der Titelseite unseres Internetauftritts.
Im Rahmen des Ende letzten Jahres erschienen Bildbandes „ Stadtbezirk Mengede – gestern & heute“  ist die Idee für ein weiteres Projekt mit dem Arbeitstitel „Mengede bei Nacht“ entstanden. Hierfür könnte das vorstehende Foto bestens geeignet sein.
Die  Aufnahme vom Volksgarten Restaurant entstand in den frühen Morgenstunden des 27.2.2016.
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Alter Baumbestand im Volksgarten – hier ein Naturdenkmal: die 100-jährige Trauerbuche

MENGEDE:InTakt! hat Ulrich Lang gebeten, den (aktualisierten) Fragebogen von Marcel Proust** auszufüllen. Hier ist das Ergebnis:

Ihr Motto/Leitspruch?
Ich will nicht gut sein, ich will der Beste sein
Ihr Hauptcharakterzug?
Ehrlichkeit
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
ich möchte malen können
Was verabscheuen Sie am meisten?
Lügen
Ihr Interesse an Politik?
sehr stark
Glauben Sie Gott sei eine Erfindung des Menschen?
ja
Welche Reform/Erfindung bewundern Sie am meisten?
die deutsche Wiedervereinigung
Mit wem möchten Sie an einer Hotelbar ein Glas Wein trinken und dabei worüber reden?
mit Gregor Gysi über Politik reden
3 Dinge, die Sie mit auf eine einsame Insel nehmen würden?
Angel, Fernglas, Liegestuhl
Sommer oder Winter?
Sommer
Ihre Hobbies?
momentan keins, sonst Angeln
Film oder Buch?
Film
Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Der Name der Rose
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Der Blaumilchkanal
Ihre Lieblingsmusik?
Musik und Lieder von Robert Longo und Hannes Wader
Ihre Lieblingsblume?
Rose
Ihr Lieblingstier?
Hund
Essen & Trinken hält Leib und Seele zusammen – auch bei Ihnen? Wenn ja, was ist es?
Fischgerichte, dazu ein gut gezapftes Bier
** Der Fragebogen von Marcel Proust
Was denken und fühlen bekannte Zeitgenossen? Diese Fragen faszinierten die Menschen schon immer. Vorbild für diese Fragen ist der wohl bekannteste Fragebogen, der den Namen des französischen Schriftstellers Marcel Proust (1871-1922) trägt. Dieser hat ihn aber nicht entworfen, sondern nur ausgefüllt, das heisst, genau genommen sogar zweimal: Einmal als 13-jähriger auf einer Geburtstagsparty. Dann im Alter von etwa 20 Jahren einen ähnlichen Fragebogen, dem er selber den Titel «Marcel Proust par lui-même» («Marcel Proust über sich selbst») gab. Berühmt wurden die Fragen durch Publikationen z. B. in der FAZ.
MENGEDE:InTakt! hat den Fragebogen etwas aktualisiert.
Hinweis: Zur Vergrößerung der Fotos diese Bitte anklicken! (Übrige Fotos: K.N.)
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