Juni Stammtisch, einmal mehr im Zeichen der Emscher

Der Emscherumbau – Vergangenheit und Zukunft einer raumprägenden InfrastrukturKopie von IMG_2691

Unter diesem Titel stand der Juni Stammtisch des Heimatvereins Mengede. Vor wieder einmal vollem Haus referierte Frau Prof. Dr. Dr. Martina Oldengott, Leiterin des Planungsstabes der Emschergenossenschaft und des Lippeverbandes.
Sie versprach einen Spaziergang vom Emscherquellhof in Holzwickede bis zur Mündung in Duisburg, die bis 2020 im Rahmen der Renaturierung als Auenlandschaft verlegt und neu gestaltet wird.

Der 8 m hohe „Emscherfall“ in den Rhein ist dann Vergangenheit. Ein Hauptthema war die Wandlung der Emscher und ihren Zuflüssen von einem Abwasserkanal zurück zu einem natürlichen, lebenden Fluss.

IMG_2683Vor der Industrialisierung war die Emscher ein kleiner bedeutungsloser Fluss mit zahlreichen Mühlen. Er mäanderte durch ein kaum bewohntes Sumpfland. Nachdem aber die Schwerindustrie, der Bergbau und die Stahlproduktion aufblühten entstand ein dichtes Siedlungsgebiet. Zu den Zechen und Stahlwerken kamen Wohnsiedlungen und Schulen. Die Emscher und ihre Nebenläufe wurden der Transportweg aller häuslichen und gewerblichen Abwässer.

Zu großen Problemen kam es dann durch die vom Bergbau verursachten Bergsenkungen. Die Wasserläufe sackten an vielen Stellen ab, das notwendige Gefälle ging verloren und das Wasser konnte nicht mehr abfließen. Man sagte, das Wasser floss rückwärts. Ganz schlimm war es bei Hochwasser, wenn sich das Wasser in den Auen sammelte. Es bildeten sich Krankheitsherde. Malaria, Typhus, Ruhr und Cholera sorgten dafür, dass Ende des 19. Jahrhunderts permanent 25% der arbeitenden Bevölkerung krank und arbeitsunfähig waren.

Um diesen volkswirtschaftlichen Schaden abzuwenden, griff der preußische Staat ein. Er berief eine Kommission für ein Entwässerungsprojekt des Emschertales ein, die Geburtsstunde der Emschergenossenschaft. Da der Bergbau den Bau eines unterirdischen Abwasserkanalnetzes nicht zuließ, wurde ein System von oberirdischen, ineinander greifenden Abwasserkanälen errichtet, die schwarze Emscher. Dieses System hat über 100 Jahre hervorragend seinen Zweck erfüllt, eine Veränderung steht an.

Gerade diese Tatsache ermöglicht der Emschergenossenschaft heute den Rückbau, die Renaturierung der Emscher mit allen ihren Zuflüssen. Schon seit 1980 sind einzelne Nebenläufe wie der Dellwiger Bach und der Deininghauser Bach naturnah umgestaltet worden.

Bis 2017 soll das Emschergebiet abwasserfrei und bis Ende 2020 soll der Umbau von über 400 km Wasserläufe fertiggestellt sein, die per Rad (Emscher Radweg) oder auch zu Fuß erkundet werden können. Herausragende Ziele sind dann sicher der Phoenix See in Hörde, das Rückhaltebecken auf der Stadtgrenze Mengede / Ickern, der Niederfeldsee in Essen oder der Kaisergarten in Oberhausen. Aber auch die vielen Industriedenkmäler (Zeche Zollern Dortmund, Zeche Zollverein Essen, der Gasometer Oberhausen, Landschaftspark Nord in Duisburg) oder eines der vielen Schösser entlang der Emscher lohnen sicher einen Besuch (Haus Rodenberg, Schloss Bladenhorst, Schloss Strünkede)

Dann ist aus dem hässlichen Entlein ein schöner Schwan geworden und das neue „Grün“ des Ruhrgebietes ist „Blau“.
Aufgewertet wird das Emschertal auch wieder durch die Emscherkunst 2016, die auf einem rund 50 km Ausstellungsparcours zwischen Holzwickede und Herne die unterschiedlichsten Kunstprojekte präsentiert und zu einem Besuch einlädt.(Einzelheiten hierzu unter: www.emscherkunst.de )

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Ein weiteres, literarisches Objekt ist die Textwerkstatt, in der Jugendliche alleine oder gemeinsam Texte über ihre Region erstellen können. Diese werden dann in Buchform veröffentlicht und bei Lesungen vorgestellt. Dabei bilden die Flüsse Emscher und Lippe den Schwerpunkt.
www.eglv.de/wasserportal/bildungsengagement/projekte/textwerkstaetten
Auch das „Blaue Klassenzimmer“ zielt in diese Richtung. In einem kleinen Amphitheater direkt am Wasser können Schulen einen anschaulichen Unterricht im Freien abhalten.
www.eglv.de/wasserportal/bildungsengagement/projekte/blaues-klassenzimmer

Gegen 21:00 Uhr beendete Frau Dr. Oldengott ihre wirklich informativen Ausführungen. Hans- Ulrich Peuser bedankte sich im Namen des Heimatvereins mit einer Flasche der hauseigenen „Emscherperle“.

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