Eine Million Jahre?

Auf der Suche nach einem sicheren Endlager für hochradioaktive Abfallstoffe

Die Mitglieder einer vom Bundestag und Bundesrat berufenen Kommission brüteten zwei Jahre lang über das Problem, ein sicheres Endlager für hochradioaktive Abfallstoffe zu finden. Als Zielvorgabe wurde vorausgesetzt, dass die Lagerstätte sich vollständig auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland befindet, sie so angelegt wird, dass der Müll im Notfall wieder zurückgeholt werden kann und eine sichere Einschließung für mindestens eine Million (!) Jahre gewährleistet ist. Ob sie sich damit nicht übernommen haben?

Bisher herausgekommen ist ein über 600 Seiten umfassendes Gutachten, in dem man davon ausgeht, dass das Ergebnis der Standortsuche erst im Jahre 2050 vorliegen dürfte und die Einlagerung des Atommülls bis 2170 andauern könnte.Endlager_neu

Eine Million Jahre! Selbst bei Ansatz eines biblischen Maßstabs (Psalm 90.4: „Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist…“) wären es immer noch göttliche 1000 Tage! Ein Zeitraum, der selbst bei seriöser Einschätzung von niemandem ernsthaft garantiert werden kann. Vergleichsweise zurückgerechnet eine erdgeschichtliche Epoche, in der Erdbeben und die Gletscher der Eiszeiten die Kontinente heimsuchten und sie deformierten. Es ist gerade 800.000 Jahre her, dass die ersten menschenähnlichen Wesen als Höhlenbewohner den aufrechten Gang einübten, zunächst als Aasfresser, danach als Jäger und Sammler unseren europäischen Kontinent betraten, 200.000 Jahre, als die Neandertaler versuchten, mit groben Steinkeilen herumzuwerkeln und nur 10.000 Jahre, als unsere Vorfahren mit aus heutiger Sichtweise primitiven Arbeitsgeräten und Methoden begannen, ihren Nahrungsbedarf mit landwirtschaftlichem Anbau selbst zu produzieren.

Extrapoliert man nur die Ressourcenvernichtung an Mineralien und Energieträgern, ganz zu schweigen vom Landschaftsverbrauch des nicht einmal 200 Jahre andauernden, aktuellen industriellen Zeitalters, vermag man nicht ansatzweise erkennen, wie die Menschheit bei einer sich stetig steigernden Populationsgröße von derzeit 7 Milliarden Exemplaren auch nur ein Bruchteil der angedachten Phase überleben könnte.

Bei einem ehemaligen niedersächsischen Salzbergwerk, der Schachtanlage Asse II, wo zwischen 1967 und 1978 die Endlagerung schwach radioaktiver Abfälle großtechnisch erprobt und praktiziert wurde, dauerte die Ewigkeit nicht einmal 50 Jahre. Radioaktiv kontaminierte Salzlauge und das Ansteigen der Fallzahlen im Krebsregister machen es notwendig, eine aufwändige Sanierung mit Bergung der in Metallfässern eingeschlossenen Stoffe vorzunehmen. Bisher sind Kosten in Höhe von 2 Milliarden Euro eingeplant; Experten-Schätzungen reichen allerdings bis zu 6 Milliarden Euro. Immer noch wenig im Vergleich zu den im Gutachten der Endlager-Kommission veranschlagten Kosten in Höhe von 70 Milliarden Euro.

Gleich zu Beginn der Beratungen in der 33köpfigen Atommüllkommission wurde die „Spielregel“ ausgegeben, ergebnisoffen diskutieren zu wollen. Da neben jeweils acht „unabhängigen“ Vertretern der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft (Wirtschaft, Gewerkschaften, Kirchen und Umweltverbänden) auch 17 Politiker/innen (darunter der/die Vorsitzende) mitwirkten, war die politische Neutralität der Beschlüsse von vornherein umstritten. Bezeichnend hierfür, dass die Auswahl für den Kreis der Experten in der Kommission von den Parteien getroffen wurde. Ob aber deren Arbeitsergebnis am Ende überhaupt Einfluss auf das Verfahren haben wird, behalten sich die Parteien ebenfalls vor.

Mit Ergebnisoffenheit und Akzeptanz der Kommissionsarbeit war es gleich nach Verkündung des Gutachtens vorbei. Vertreter von Bayern und Sachsen erklärten, dass es in ihrem Bundesland keine geeigneten „Wirtsgesteine“ für ein Endlager vorhanden seien.
Aber was wäre eine mögliche Alternative? Der strahlende Atom-Abfall ist nun mal da und seine Menge wächst noch weiter an, bis hoffentlich im Jahre 2022 der letzte Meiler abgeschaltet worden ist. Bis der erste Castor eingelagert werden kann, dauert es ohnehin noch mindestens 35 Jahre.

Dass gehandelt werden muss, steht demnach außer Frage. Aber reicht nicht vielleicht auch ein Zeitraum von 10.000 Jahren? Das wäre zwar nur 1 Prozent der angedachten Lagerfrist, aber immerhin fast das Fünffache seit Christi Geburt, also reichlich Zeit für die uns nachfolgenden Generationen, bei anhaltendem technischem Fortschritt vielleicht eine Lösung zu finden, die viel einfacher und kostengünstiger zu bewerkstelligen ist.

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