Wer nicht dopt, der nicht gewinnt

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Cartoon: Mario Lars

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus

Wenn die „Jugend der Welt“ sich zu Olympischen Spielen in Brasilien trifft, geht es in erster Linie um Geld und in zweiter Linie um Doping in unvorstellbarem Umfang. Insider behaupten, mehr als 50 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der letzten Spiele in London seien gedopt gewesen – die Zahl scheint eher zu niedrig gegriffen.

Bereits als Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat Thomas Bach – wortgewaltig und öffentlich von einer „Null-Toleranz-Politik“ zum Thema Doping schwadroniert. Im Gegensatz dazu brachte es Heidi Schüller, die Fahnenträgerin der deutschen Olympia-Mannschaft von 1972 wie folgt auf den Punkt: „Inzwischen ist klar geworden, wie verlogen die Institutionen des deutschen Sports über Jahrzehnte agiert haben. Als vorläufiges Fazit lässt daraus zum jetzigen Zeitpunkt schließen: Zu keinem Zeitpunkt hat es in Westdeutschland den erkennbaren Willen auch nur einer einzigen der beteiligten Institutionen gegeben, Doping im Sport zu bekämpfen.“

Ähnlich deutlich auch Jörg Magena in einem Beitrag der taz, als er die Meinung vertrat: „Wer behauptet, Leistungssport werde auch ohne Doping funktionieren, könnte genau so gut behaupten, dass der Kapitalismus zur Not auch ohne Kapital funktioniert“.

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Und aufschlussreich, was Thomas Bach, inzwischen Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) angesichts der Dokumente in Bild, Ton und Schrift in einer ARD-Dokumentation „Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht“. In diesem Beitrag kam die ARD dem Dopingsystem in Russland auf die Spur, das jetzt zum Ausschluss der russischen Leichtathleten geführt hat und das erkennbar mafiöse Strukturen aufweist: „Warten wir erst einmal ab, zu welchen Ergebnissen die Ethikkommission kommt“.
Deutlicher kann man nicht auf Zeit spielen. Dabei wurde in dem ARD-Beitrag u.a. belegt, dass der russische Leichtathletik-Cheftrainer am erkauften Startrecht einer Marathon Läuferin beteiligt war. Diese hatte berichtet, dass sie russischen Funktionären 450.000 Euro zahlen musste, um trotz zu hoher Blutwerte bei Olympia 2012 starten zu können.

Die Russen wiesen die vorliegenden Geständnisse als Lüge zurück. Walentin Balachnitschew, Präsident des russischen Leichtathletik-Verbandes und zugleich Mitglied im Council und in der Finanzkommission des Internationalen Leichtathletik-Verbandes, hat den Vorwurf eines staatlich unterstützten Doping- und Korruptionssystems in Russlands Sport empört zurückgewiesen. „Nach unseren Untersuchungen sind alle Anschuldigungen falsch“, wurde Balachnitschew zitiert: „Ich habe mit den Athleten gesprochen. Alle Informationen entsprechen nicht der Wahrheit.“ Er ist inzwischen als Märchenonkel entlarvt.

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Cartoon: Mario Lars

An dieser Stelle kann vielleicht ein Rückblick auf die Dopingszene in Deutschland hilfreich sein. Dabei fallen einem gleich zwei prominente Hochschullehrer der Universität Freiburg ein – die Herren Klümper und Keul. Mit den beiden hochangesehenen Professoren verfügte der deutsche Sport über exzellente Dopingexperten – die zwar nicht direkt dem Staat unterstanden, die aber an einer staatlichen Hochschule arbeiteten und forschten; nicht im Kampf gegen Doping, sondern … .
Der Staat, d.h. das Wissenschaftsministerin in Baden-Württemberg hätte durchaus Gelegenheit gehabt, im Wege der Dienstaufsicht festzustellen, ob dort alles mit rechten Dingen zuging. Klümper war nach Wikipedia zudem „stellvertretender Vorsitzender des Vereins Bundesleistungszentrum Freiburg-Herzogenhorn“, der im Verdacht steht, eine Geldwaschanlage gewesen zu sein, durch die Mittel des Bundesinnenministeriums ins Doping flossen“.

Damit schließt sich ein Kreis: Nicht nur Russland betrieb Staatsdoping! Das wird auch Thomas Bach wissen, und so bewahrheitet sich die alte Volksweisheit: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus!

Und ganz besonders empörend: Das IOC verweigert der Doping-Kronzeugin Julia Stepanowa das Startrecht für Rio mit einer abenteuerlichen Begründung: Sie erfülle angesichts ihrer Doping-Vergangeheit trotz ihrer Verdienste um Aufklärung nicht die „ethischen Anforderungen“.
Wie korrupt, verlogen und abgebrüht muss man eigentlich sein, um derartige Sprechblasen ablassen zu können?

 

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