Stadtbezirk braucht vor allem besseres Image

Bürgercafé im Schloss machte deutlich: In Mengede lebt man gut

Haus Bodelschwingh, Schauplatz des Nordwärts-Bürgercafés.

Haus Bodelschwingh, Schauplatz des Nordwärts-Bürgercafés.

Der Stadtbezirk Mengede bietet alles, was sich der Dortmunder Süden auf die Fahnen schreibt: Überdurchschnittlich viel Grün und Lebensqualität für die Bewohner. Dass die Bodelschwingher eine besonders hohe Meinung von ihrem Wohnort haben, wurde beim „Nordwärts“-Bürgercafé im roten Salon von Schloss Bodelschwingh deutlich. Was soll anders werden? Vor allen Dingen das Image! Darin waren sich die 50 Gäste der Veranstaltung einig.

Begrüßten die Gäste im Roten Salon: Gerhard Kuck, Harriet Ellwein, Felix freiherr und Mireta Freifrau zu Knyphausen, Silke Kleinjohann (stehend, von links)

Begrüßten die Gäste im Roten Salon: Gerhard Kuck, Harriet Ellwein, Felix Freiherr und Mireta Freifrau zu Knyphausen, Silke Kleinjohann (stehend, von links)

Stellvertretender Bezirksbürgermeister Gerhard Kuck (CDU), der die Teilnehmer im Namen der Bezirksvertretung willkommen hieß, zeigte sich überzeugt, dass „wir mit den südlichen Bereichen spielend konkurrieren können.“ Das werde an diesem historisch bedeutsamen und großartigen Ort besonders deutlich. Auch Harriet Ellwein, u. a. zuständig für die Nordwärts-Projektentwicklung, zeigte sich beeindruckt. Von Anfang an seien für die Bürgertreffs ungewöhnliche „Locations“ gesucht worden, „aber an ein echtes Schloss hatten wir nicht gedacht“. Der Norden der Stadt berge viele Schätze, die „nicht so bekannt sind, wie wir das gern hätten.“

Dennoch sind zusätzlich neue Ideen gefragt. Dies betonte Gastgeber Felix Freiherr zu Knyphausen in seiner Begrüßung:“Auch wir müssen uns ständig Gedanken darüber machen, wie man ein solches Haus und ein solches Grundstück weiter führen will.“ Die Erhaltung des Parks und der denkmalgeschützten Gebäude erforderten hohe Aufwendungen, die mit privater Vermietung allein kaum zu erwirtschaften seien. Daher seien weitere Lösungen gesucht, für die städtische Unterstützung gebraucht werde. In letzter Zeit seien die Gespräche mit der Stadt intensiviert worden.

Ideensammlung für Schloss, Dorf und Mengedes Grün

Das ehemalige Zechengelände Westhausen in eine neue Zukunft zu führen, ist ein großer Wunsch der Bodelschwingher.

Das ehemalige Zechengelände Westhausen in eine neue Zukunft zu führen, ist ein großer Wunsch der Bodelschwingher.

Eigene Vorstellungen konnten die Teilnehmer in drei Arbeitsgruppen einbringen. Die erste beschäftigte sich mit Nutzungsmöglichkeiten für Haus Bodelschwingh und den Schlosspark, die zweite nahm den Ort Bodelschwingh im Ganzen ins Visier, die dritte schließlich machte sich Gedanken um die Landschaft rings um den gesamten Stadtbezirk. Letztere ist schließlich (neben den zahlreichen Baudenkmalen) eine der großen Mengeder Stärken. Harriet Ellwein: „Wissen Sie, wie Ihr Stadtbezirk beim Grünflächenanteil platziert ist?“ Auf Platz eins oder zwei, schätzten Anwesende. In der Tat: Mengede belegt den zweiten Platz, allerdings sehr knapp hinter dem ersten. Es habe nämlich nur 0,4 Prozent Grün weniger, so Ellwein.

Was wünschen sich die Bodelschwingher an Aktivitäten am und im Schloss? Das Ambiente eigne sich für Konzerte aller Art und Kultur-Angebote, z. B. als „Märchenschloss“ für Kinder. Man stellte sich Krimidinners, Weinproben und nächtliche Fackelführungen durch den Park vor, ein Lichterfest und Lesungen. Was davon machbar und sinnvoll sei, liege natürlich in der Entscheidung des Schlossbesitzers. Der bedankte sich erfreut und zeigte sich beeindruckt von der Vielzahl der Vorschläge und der Anteilnahme der Bürger. Einiges davon „haben wir uns auch schon überlegt und es würde uns Spaß machen.“ Schlossverwalterin Silke Kleinjohann, selbst Mitglied im „Nordwärts“-Kuratorium, verwies darauf, dass beim bevorstehenden ersten Adventsmarkt rund ums Schloss eine festliche Beleuchtung für den Park geplant sei.

Westhausen ist Bodelschwinghs großes Thema

Ein architektonisches Juwel, das aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden sollte: die Westhausen-Lohnhalle.

Ein architektonisches Juwel, das aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden sollte: die Westhausen-Lohnhalle.

Was steht für die Weiterentwicklung von ganz Bodelschwingh oben auf der Wunschliste? Vor allem Westhausen, das ehemalige Zechengelände, zentral zwischen Bodelschwingh und Westerfilde gelegen, soll nach vorn gebracht werden. Dabei geht es um die Nutzung der vorhandenen Baudenkmäler und anderer Gebäude der ehemaligen Zeche. Hier könne ein Teil des Technologiezentrums einquartiert werden, auch Labors für Materialprüfung oder andere technische Einrichtungen seien denkbar. Im Vordergrund stehe die Bereitstellung hochwertiger Arbeitsplätze.

Es würde sich außerdem anbieten, hier Räumlichkeiten für die Begegnung von Kindern mit Technik zu schaffen. Dazu passt ein bereits begonnenes Nordwärtsprojekt von Wenke Völkmann-Gröne, Chefin der traditionsreichen Maschinenfabrik Völkmann, die ihren Sitz auf dem Gelände hat. Kinder frühzeitig an technische Fragen heranzuführen, ihnen spielerisch Kenntnisse zu vermitteln und zu zeigen, dass die als schwierig verleumdeten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) durchaus Spaß machen können, ist das Ziel. Zielgruppe sind Grundschulkinder. Je früher Jungen und Mädchen die Scheu vor Naturwissenschaften und Technik genommen werde, um so besser, meint die Bodelschwingher Unternehmerin.

Kinder und Jugendliche für MINT-Fächer begeistern

Infostand der REVAG-Gruppe auf der Bodelschwingher Kirmes, die ein Bergbaumuseum auf Westhausen unterhält. Warum das mit Nordwärts-Infos verbinden?

Infostand zum Westhausen-Museum der REVAG-Gruppe auf der Bodelschwingher Kirmes. Warum das nicht mit Nordwärts-Infos verbinden?

Als Lehrer kommen nicht nur Fachleute zum Einsatz, sondern auch dafür ausgebildete „MINT-Scouts“, das sind Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 10. Derzeit stellt sich das Heinrich-Heine-Gymnasium dafür zur Verfügung. Jugendlichen gelingt es nach Erfahrung von Völkmann-Gröne besonders gut, Kinder zu begeistern. Vier Grundschulen nutzen derzeit das Angebot. Um noch mehr Unternehmen für die Mitarbeit zu gewinnen, wurde ein Förderverein gegründet.

Neben dem zentralen Thema Westhausen standen noch einige kleinere Vorschläge auf der Liste. Wohnungsneubau, damit junge Familien hinzu ziehen können, sei wünschenswert, meinten die Anwesenden. Dazu biete sich eine früher für einen Sportplatz vorgesehene Fläche an der Richterstraße an.

Die Ausstattung mit Kinderspielplätzen sei im ganzen Ortsteil dürftig. Vor allem in Alt-Bodelschwingh gäbe es gar keine Angebote.

Tourismus entwickeln? Dazu braucht es Information

Noch nicht ganz vollendet, aber schon attraktives Wanderziel: die Emscherauen.

Noch nicht ganz vollendet, aber schon attraktives Wanderziel: die Emscherauen.

Da Dortmund sich als touristisches Ziel entwickeln wolle und Schloss sowie „Dorf“ Bodelschwingh für solche Zwecke besonders geeignet seien, solle überlegt werden, ob sich nicht ein Tourismus-Büro in eins der leerstehenden Ladenlokale einquartieren ließe.

Die Weiterentwicklung des üppigen Grüns im Landschaftsraum, seine Vernetzung und Belebung inspirierten die Bürgercafé-Gäste ebenfalls zu einer großen Anzahl von Vorschlägen. Baumpflanz-Aktionen mit Kindern, aber auch mit anderen Gruppen, Baumpatenschaften von Schulen und Kindergärten, Sport im Freien sowie Kunst für jedermann mit legalen Graffitti-Sprühwänden sollten möglich sein. Dabei geht es nicht nur um die Renovierung und Weiterentwicklung des 2014 durch den Pfingststurm Ela schwer geschädigten Volksgartens. Wichtig sei vor allem die Bekanntmachung und klare Information über Lage und Wegeverbindung zu den einzelnen grünen Sehenswürdigkeiten. Viele hätten vielleicht schon vom „Mengeder Meer“ gehört, wüssten aber einfach nicht, wie sie dorthin gelangen könnten.

Ein konkreter (und leicht erfüllbarer) Wunsch der Bürgercafé-Teilnehmer: Die alte, durch Vernachlässigung nicht mehr nutzbare Fußwegeverbindung zwischen Westerfilde und Bodelschwingh sollte wieder hergestellt werden, damit man nicht gezwungen ist, an der Straße entlang zu wandern. Dies war jetzt auch in der Bezirksvertretung beantragt worden, wurde von der Verwaltung aber abgelehnt.

Eine Liste aller Vorschläge soll übrigens, so versprach Harriet Ellwein, ab Montag, 10. Oktober, auf der städtischen Homepage unter dem Stichwort „Nordwaerts“ im Internet einsehbar sein. (www.dortmund.de)

Fotos©:Monika Zybon-Biermann

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