Natur zum Anfassen hilft beim Lernen

Schulbiologie im Botanischen Garten Rombergpark war die erste ihrer Art

Das neue Gebäude der Schulbiologie, Am Rombergpark 35.

Der Stadtbezirk Mengede, im Vergleich zu allen anderen Dortmunder Bezirken am dünnsten besiedelt, besitzt einen der höchsten Anteile an Grünflächen. Nicht alle hier lebenden Kinder wachsen jedoch im Haushalt mit eigenem Garten auf. Wie lernen sie die Natur kennen? Im Botanischen Garten Rombergpark gibt es seit den 80er Jahren ein Schulbiologisches Zentrum. Es war das erste in Nordrhein-Westfalen. „Lebendiger Unterricht“ mit Kontakt zu Pflanzen und Tieren wird in der vom Land und der Stadt gemeinsam betriebenen Einrichtung allen Schulformen und Altersstufen angeboten.

Die von Dr. Otto Bünemann gegründete Einrichtung ist seit 2016 im neuen Bildungsforum Schule, Natur und Umwelt, Am Rombergpark 35, untergebracht. Der zweigeschossige Neubau mit Holzfassade und begrüntem Dach ersetzte nach knapp 30 Jahren die Konstruktion aus Schulcontainern, die weder vom Raumangebot noch von der Ausstattung zeitgemäß, zudem ziemlich in die Jahre gekommen war.

Fünf von zehn Mengeder Schulen nutzten 2015/16 das Angebot

Der junge Chef im Botanischen Garten, Dr. Patrick Knopf, hat auch Spaß daran, Kinder durchs Grün zu führen.

In den neuen Räumen profitieren Schülerinnen und Schüler, aber auch die Lehrer von den modernsten technischen Einrichtungen, die das Unterrichten erleichtern. Nach wie vor begegnen Kinder und Jugendliche  hier Pflanzen und Tieren direkt. Die Kleinen sammeln Samen, säen ihn aus und beobachten ihr Keimen und Wachsen; Schülerinnen und Schüler der Oberstufe nehmen anspruchsvolle Themen in den Fokus, z. B. nach Flechten als Bioindikatoren für Luftgüte, nach Neophyten oder Neozoen zu suchen. Der Nachwuchs erfährt auch, welche Wildpflanzen essbar sind, wie man Früchte trocknet oder Saft aus ihnen presst.

Welche Mengeder Schulen machten in letzter Zeit vom Angebot des Biologieunterrichts zum Anfassen Gebrauch? 2015 und 2016 schickten laut Schulbiologie-Sekretariat fünf der zehn Schulen Kinder in den Unterricht zum Rombergpark. Spitzenreiter war dabei die Bodelschwingh-Grundschule mit neun Klassen. Es folgte die Albert-Schweitzer-Realschule mit sechs Klassen, die Reinoldi-Sekundarschule mit vier Klassen und schließlich die Westhausen- und die Regenbogen-Grundschule mit jeweils drei Klassen.

Lehrerfortbildung und Tipps für den eigenen Schulgarten

Dass Dr. Bünemann, der von 1975 bis 1995 Leiter war, auf dem Gelände des historischen Landschaftsparks der Familie von Romberg die erste Schulbiologie verwirklichen konnte, war nicht selbstverständlich. Das Projekt startete zunächst als Versuchsballon. Niemand wäre so optimistisch gewesen, der Einrichtung langfristig Erfolg zu prophezeien.Inzwischen hat sich die Idee des lebendigen Biologie-Unterrichts an außerschulischen Lernorten nicht nur in NRW durchgesetzt.

Zum Angebot der Schulbiologie im neuen Bildungsforum gehören die Grüne und die Zooschule, aber auch Lehrerfortbildung, Tipps zur Gestaltung von Schulgärten, die Beschaffung von Stecklingen und anderem Anschauungsmaterial. Der neue Chef im Botanischen Garten, Dr. Patrick Knopf, unterstützt ebenfalls die Idee des Lernortes für alle Generationen. Er bietet daher in diesem Jahr wieder Führungen an, darunter auch speziell für Kinder.

Dortmunds grüne Schatztruhe ist viertgrößter Botanischer Garten der Welt

Ginkgo ‚Tremonia‘, eine in Dortmund entdeckte Sorte, ist weltweit Botaschafter für Dortmund.

Dendrologen (Gehölzkundlern) auf der ganzen Welt ist übrigens den Park im Dortmunder Süden ein Begriff. Und das nicht nur, weil er mit seinen 65 Hektar der viertgrößte Botanische Garten der Welt ist oder sich hier regelmäßig Mitglieder der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft treffen. Er gehört zu den bedeutendsten Arboreten (Gehölzsammlungen) und beherbergt viele pflanzliche Schätze, darunter ganze Sammlungen verschiedener Gattungen, z. B. Rhododendren, Zierquitten, Kirschen.

Eine von dem in Fachkreisen bekannten früheren Leiter Gerd Krüssmann entdeckte Form des Ginkgo ist mittlerweile weltweit als Allee- und Parkbaum verbreitet. Diese Sorte trägt den Namen „Tremonia“ (lateinischer Name für Throtmanni, der altsächsische Name von Dortmund) und ist damit grüner Botschafter der Westfalenmetropole.

Fotos:M.Zybon-Biermann

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