Amtshaus Akte 06 – Großstadtlyrik

Von Metropoeten, Stadtschreibern und anderen Großstadtlyrikern

Immer wieder erleben wir, dass sich unser ehrwürdiges Mengeder Amtshaus durch besondere Veranstaltungen in ein Kulturhaus verwandelt. Zu diesen Traditionsveranstaltungen gehört seit einigen Jahren die „Amtshausakte“, die am Freitagabend ihre sechste Auflage erlebte. Schon der Titel der Veranstaltung war programmatisch und vielversprechend: „urBann“. In dieser Wortschöpfung steckt das „Städtische“, das „Urbane“. Gleichzeitig kommt die Kraft zum Ausdruck, mit der die Großstadt die Menschen in den „Bann“ zieht.

Wer könnte das besser ausdrücken als die Magier des Wortes, die Schriftsteller und Poeten? Die ließ die künstlerische Leiterin Michaela Poelke im faszinierenden Vortrag des Düsseldorfer Schauspielers Michael Berger zu Worte kommen.

Großstadtliteratur mit musikalischer Untermalung boten Günnar Plümer (Bass) Matthias Nadolny (Saxophon) und der Schauspieler Daniel Berger. (von links)

Da Großstadtempfindungen wie Faszination, Isolation und Einsamkeit trotz Trubel auch in der Musik zu finden sind, sorgten die Jazz-Musiker Matthias Nadolny (Saxophon) und Günnar Plümer (Bass) sowohl für „Zwischentöne“ als auch für eine einfühlsame musikalische Untermalung der literarischen Beiträge. Beide sind renommierte Musiker. Nadolny erhielt im vergangenen Jahr den Preis der deutschen Schallplattenkritik für sein Album „You are my everything“. Plümer war in diesem Jahr einer der Ausgezeichneten mit dem WDR Jazzpreis.

Die musikalische Untermalung zur Großstadtlieratur boten die Jazuz Musiker Günnar Plümer (Bass) Matthias Nadolny (Saxophon). (v.li.).

Michaela Poelke hatte im intensiven Literaturstudium die Texte ausgewählt, die Reihenfolge festgelegt und dabei im ersten Programmteil den lyrischen und im zweiten den prosaischen Schwerpunkt gesetzt. Die Abstimmung zwischen Musik und Sprache hatte sie den Künstlern überlassen. Die hatten gemeinsam die musikalische Grundstruktur festgelegt, die den Solisten dann viel Spielraum zum Improvisieren ließ. Plümer: „Je besser man geplant hat, desto besser kann man dann frei improvisieren.“

Das Programm begann mit einer richtungsweisenden Lyrik-Collage mit „Schnipseln“ aus Werken von Ossip Mandelstam, dem „der Pflasterstein verständlicher ist als die Taube“ bis Günter Kunert, der sagte: „Wenn der Abend durch die große Stadt geht, ist’s als halte ich eine Muschel an mein Ohr.“ Danach gab es die unterschiedlichsten Texte in dichter Reihenfolge, u.a. von Max Brod, Ingeborg Bachmann, Yvette Kunkel und P.P. Poelke. Besonders beeindruckend waren „Ich höre Istanbul“ von Orhan Veli, zu dem die Musiker einen faszinierenden Soundtrack lieferten und Walter Mehrings „Gleisdreieck“, bei dem man den Eindruck gewinnen konnte, der Rap der Neuzeit habe seinen Ursprung im Berlin der „Goldenen 20-er Jahre.“

Und das Gedicht von Erich Kästner über zwei verlorene und schließlich untergehender Menschen vom Lande im großen Berlin: „Sie machen vor Angst die Beine krumm, und machen alles verkehrt. Sie lächeln bestürzt. Und sie warten dumm. Und stehn auf dem Potsdamer Platz herum, bis man sie überfährt.“

Während im ersten Teil die kurzen Sequenzen dominierten, kamen nach der Pause die Stadtschreiber, Flaneure und Müßiggänger mit längeren Texten zum Zuge. Da gab es u.a. Ausflüge nach Paris mit geschäftigem Treiben, beschaulichen Altstadtvierteln, aber auch der Tristesse des modernen „La Defense“. Da waren Literaten von Peter Handke bis Rainer Maria Rilke zu finden. Und wie immer bei der „Amtshausakte“ kamen nicht nur Augen und Ohren zum Zuge. An den von den Helfern des Heimatvereins festlich gedeckten Tischen hatten die Besucher im dritten Programmteil Gelegenheit, bei auserlesenen Speisen, die Salvatore del Sorbo gefertigt und zusammengestellt hatte, und edlen Weinen auch ihren Geschmackssinn zu verwöhnen.

Dabei kam auch die Kommunikation nicht zu kurz. „Herzlichen Dank für den angenehmen und vielfältigen Abend“ war im Gästebuch zu lesen. Eine Eintragung, zu der weitere Besucher zustimmend ihre Namen gesetzt hatten.

Info
Die „Amtshausakte“ ist eine jährlich stattfindende Gemeinschaftsveranstaltung der „Buchhandlung am Amtshaus“, des „Mengeder Heimatvereins “ und des „Stadtbezirksmarketing Mengede“ .
Programmauswahl, Organisation und künstlerische Leitung liegen bei Michaela Poelke.
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