Buchempfehlung des Monats

Graham Swift: Ein Festtag

Mario Lars: Bücher

Sieben Jahre dauert das Verhältnis des Dienstmädchens Jane zum letzten überlebenden Erben des benachbarten Herrenhauses, Paul Sheringham. Sie war 15, er wenig älter. Der Beginn der Beziehung war prosaisch, der Sex von Nützlichkeitsdenken und Herrschaft geprägt. Jetzt jedoch lädt er sie ein, das Haus erstmals durch die Vordertür zu betreten, durch den Hauptteil des Hauses zu gehen, in sein Zimmer zu kommen, ein Fest der Sinnlichkeit zu feiern. 

Erotik oder mehr sind jedoch kein Fundament für ihre Bindung. Paul ist mit der Tochter eines befreundeten Ehepaars aus gutem Haus verlobt. Für die beteiligten Familien ist diese Hochzeit unhinterfragbar, alternativlos. In der vom Schmerz über die gefallenen Söhne überschatteten Nachkriegszeit soll diese Ehe die untergehende Lebensform der großen, alten Familien bekräftigen. Paul verlässt das Haus, Jane hat es ganz für sich allein. Für diesen Moment gehört es ihr. Sie ist frei. Nur das Telefon schellt. Gleichzeitig warten die beiden Familien auf Paul. An diesem Tag, der bereits zum Tag einer Tragödie geworden ist, erkennt Jane, dass sie Paul liebt. Ihr Festtag wird in ihrer Erinnerung auch derjenige sein, an dem sie beschließt, Schriftstellerin zu werden.

Intensiv, sinnlich, ungeheuer lebendig! Klar und direkt zeichnet Swift feinste psychologische Nuancen. Wahrheiten wie Schläge, die den Roman (oder die Erzählung, Geschichte, Story – die Genrefrage wird im Buch selbst gestellt) zu einem Abenteuer machen, dem Abenteuer eines fast 100-jährigen Lebens.

Hella Koch – Buchhandlung am Amtshaus

 

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