Wallring wandelt sich zur Allee der Vielfalt

Erkrankung der Rosskastanien erfordert neues Konzept

Eine der großen Rosskastanien am Mengeder Amtshaus.

Wie viele der 2275 Rosskastanien im Dortmunder Baumkataster die derzeit grassierende Pseudomonas-Epidemie überleben werden, ist nicht vorhersehbar. Sicher ist, dass eine große Zahl der beeindruckenden Park- und Alleebäume mit ihren auffallenden Blütenkerzen und den als Bastelmaterial beliebten Früchten bereits von der Krankheit befallen sind. Der Wallring, der bisher von dieser Baumart bestimmt wird , soll anders und mit unterschiedlichen Gattungen bepflanzt werden. Der Verwaltungsvorstand empfahl jetzt eine Neuanlage mit zukunftsfähigem Konzept: Vielfalt statt Monokultur, robuste Arten, optimierte Pflanzkonditionen und an die Standortbedingungen angepasste Baumformen sollen die Vitalität der Straßenbäume sichern.

Stieleichen in Pyramidenform wie dieses Beispiel in Bodelschwingh sollen künftig in Gebäudenähe am Wall Platz finden.

Bereits in diesem Jahr wird mit der Umgestaltung begonnen. Im ersten Bauabschnitt von Königswall bis Kuckelke werden in der Mitte Traubeneichen (Quercus petraea) gepflanzt; an den Seiten entlang der Hausfassaden sollen schmalkronige Stieleichen (Quercus robur ‚Fastigiata‘) ihren Platz finden. Diese „Pyramideneichen“ bieten den Vorteil, dass ihre Kronen nicht zur Gebäudeseite hin beschnitten werden müssen. Überdies haben sich solche Baumformen als besonders sturmfest erwiesen. Alle neuen Bäume sollen hinsichtlich ihrer maximalen Endgröße auch nach Kriterien wie Gebäudenähe oder -höhe, Straßenverlauf und Gehwegsbreite ausgesucht werden.

 

 

Eichen erweitern als erste das Spektrum der Baumarten

Über die Bepflanzung der nächsten Wallring-Abschnitte wird in Zusammenarbeit mit den Fachleuten des Umwelt- und Stadtplanungsamtes entschieden. Fest steht, dass die Baumart nach fest definierten Straßenabschnitten gewechselt wird, um die künftige Allee widerstandsfähiger zu machen, die Ausbreitung von Schadorganismen zu begrenzen. In einer Monokultur können diese sich erheblich leichter ausbreiten.

Alle erkrankten Kastanien sollen konsequent ersetzt werden. Bei der Neuanlage werden den Bäumen gleichzeitig bessere Lebensbedingungen geschaffen, d. h., ausreichend Wurzelraum, der Boden wird ausgetauscht bzw. aufbereitet, die Mittelstreifenborde zum Schutz gegen Anfahrschäden und Streusalz erhöht.

Solche winzigen und lieblos zugepflasterten Pflanzscheiben sollen der Vergangenheit angehören.

Rosskastanien stehen nicht nur am Wallring, sondern auch in großer Zahl in den Bezirken Innenstadt-Ost, West und Nord sowie in Hombruch und Aplerbeck. Seit 2007 weisen die Bestände zunehmend Symptome der Infektion mit Pseudomonas syringae pv. aesculi auf, der oft noch ein Pilzbefall folgt, sodass die infizierten Bestände in kurzer Zeit absterben.

Eine weitere Baumart, die in den letzten Jahren zunehmend durch eine Pilzerkrankung, Chalara fraxinea, heimgesucht wird, ist die Esche. Auch diese ist stadtweit stark befallen und zeigt häufig bereits in großem Umfang abgestorbene Äste. (Siehe unseren Bericht „Klimawandel verkürzt das Leben der Stadtbäume“ vom 25. Juli 2016)

Das Eschensterben geht ebenfalls unvermindert weiter. Dieser Straßenbaum, der im letzten Jahr bereits trockene Zweige zeigte, weist 2017 bereits größere Partien abgestorbener Äste auf. Fotos: Zybon-Biermann

Plan des Alleekonzeptes: dunkelgrün sind die Rosskastanienstandorte, hellgrün zusätzliche Baumpflanzungen, gelb Standorte für andere Baumarten.

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