Niemals geht man so ganz….

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Dieser Aushang überraschte nicht wenige Bürger

Nach 39 Jahren: Sertürner Apotheke in Nette schließt

Es hat 20 Minuten gedauert, bis ich an der Reihe war. Die Gäste zur Verabschiedung des Teams von Barbara Scheerer schlängelten sich bis hinaus auf den Gehweg. Ein wahrlich würdiger Rahmen zur Verabschiedung der Nette(n)r Apothekerin Barbara Scheerer. Was wird den Kunden fehlen, die häufig von krankheitsbedingten Symptomen die Nett(e)r Apotheke aufsuchten? Zunächst eine Gelegenheit, sich mit den ärztlich verordneten Medikamenten ihre/seine Leiden erträglicher zu machen. Aber auch eine Anlaufstation für Rat und Tat rund um die Gesundheit. Ob Blutdruckmessgerät oder Körperwaage – bei Barbara Scheerer war man stets richtig aufgehoben. Veranstaltungen im Stadtbezirk? Fast jeder Flyer hierzu war stets aktuell verfügbar.

Der Besucherstrom riss nicht ab

Außerdem stellte ihr Team ein Abbild des multikulturellen Gemeinwesens in Nette dar. Fremdsprachen oder Kopftuch – keine Diskussion! Und richtig! Wer die Apotheke betrat wurde mit Herr und Frau xyz passgenau mit Namen persönlich angesprochen. Kundenorientierung und Servicequalität wurde praktisch gelebt.

Blumen – so weit das Auge reicht

So manche Träne wurde beim Abschied verdrückt. Bei Barbara Scheerer werden sie trocknen, sobald sie die nötige Ruhe und den Abstand von ihrem 37-jährigen Fulltimejob bekommt, denn bereits 2 Jahre nach der Eröffnung hat sie die Apotheke übernommen. Vermutlich trocknen sie dann, wenn das letzte der unzähligen Blumengeschenke verwelkt ist. Ihr Job, der nicht die erforderliche Zeit übrig ließ, sich um die eigene Gesundheit ausreichend zu kümmern. „Nach 19:00 Uhr war für mich kein Orthopäde mehr zu sprechen“, bedauert die 68-jährige im Nachhinein aufgetretene Versäumnisse. Alles das gilt es nun

Aushang der Sertürner Apotheke

nachzubessern, bevor konkrete Pläne für den Ruhestand geschmiedet werden. Danach bleibt mehr Zeit für die Besuche von Tochter und Enkelkind in Stuttgart.

Glückwünsche zum Ruhestand

Niemals geht man so ganz, denn ihren Wohnsitz im Stadtteil Nette wird sie beibehalten – genauso wie die Mitgliedschaft im Kirchenchor der ev. Noah-Kirchengemeinde. „So lange wie es ihn noch gibt“, wie sie aus leidvoller Erfahrung als Mitglied des „Runden Tisches“, in dem sie sich neben anderen Aktivisten gegen die Schließung des Gemeindehauses in Nette engagiert.

Erleichtert zeigt sich Barbara Scheerer, da sie weiß, dass ihre Mitarbeiterinnen neue Arbeitsstellen in der Nähe finden werden. Vielleicht trifft mancher Kunde sie dort wieder.

Ihr letzter Appell: „Denken Sie mit Freude an uns – auch wenn wir nicht mehr da sind“ (frei nach Sophokles)

MENGEDE:InTakt! wünscht der neuen Pensionärin alles erdenklich Gute zu ihrem Ruhestand.

Hinweis: Zum Vergrößern der Fotos diese bitte anklicken.
PS. Dieser Artikel schließt nicht aus, dass in den anderen Apotheken unseres Stadtbezirks ebenfalls erstklassige Arbeit geleistet wird.

 

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