Oberkante Unterlippe – Eine Kolumne von Peter Grohmann

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Oberkante Unterlippe

Eine Kolumne von Peter Grohmann

(c) Martin Storz

KONTEXT:Wochenzeitung vom 2.8.2017

Manche Männer sehen nicht über ihre Schwanzspitze hinaus, pflegt man im Weißen Haus zu sagen. Die US-Militärregierung hatte im Frühling 2017 den Wehretat um etwa 50 Milliarden Dollar erhöht. Reichlich, aber das reicht jetzt hinten und vorne nicht. Hätte man wissen müssen.

„Korea, Korea, der Krieg kommt immer näha“, sang meine Omi Glimbzsch in Zittau bei den Jungen Pionieren aus voller Brust. Wie recht sie hatte.

Momentan lässt Donald Trump ja nur seine Bomber über Korea donnern, sie werfen nicht ab und üben sich in Geduld. Die Generäle müssen natürlich „alle militärischen Optionen diskutieren“, heißt es im Pentagon. Und der Präsident meint, man müsse endlich Kriege gewinnen – wo unsereins doch eher fürs Verhindern ist. Aber um die große Politik können wir uns momentan kaum kümmern – die Fake News der Auto-Mafia halten uns in Atem. So ist sie halt, trotz der Sommerferien, die Arroganz der Macht.

Auch die Natur ist nicht mehr das, was sie mal war. Sie droht immer häufiger mit Starknebel, Starkregen, Starkhagel und Starkbier und versaut so die gute Stimmung in vielen deutschen Festzelten. Selbst der Meeresspiegel lässt sich nicht lumpen und steigt. Vielen Menschen steht quasi das Wasser bis zum Halse – Oberkante Unterlippe. Das ist eine Steilvorlage für Martin Schulz und für noch mehr Gerechtigkeit! Wir wünschen allen Betroffenen alles Gute und bitten sie, zu bleiben: dort, wo der Pfeffer wächst. Das Pfeffermonopol hatte in Urzeiten der Araber, der Türke und der Grieche. Letztere erklären jetzt sogar das Recht auf Wasser zum Menschenrecht. Das lehnen Wolfgang Schäuble und unsere griechische Troika-Regierung strikt ab. Privatisierung, Investitionen, Gewinnmaximierung und Ressourcenversicherung sind schließlich auch Menschenrechte. Man muss auch Prioritäten setzen, liebe Griechen. Wir wollen doch nur Euer Bestes.

Wie bei der Bahn. Dass das einstige Staatsunternehmen Deutsche Bahn zum Quasi-Monopolisten wurde, ist genauso geschluckt worden wie die Kundenorientierung. So geht gewinnen. Die Bahn will jetzt alle Klos in den Nahverkehrszügen dichter machen und die letzten öffentlichen Toiletten in den Bahnhöfen privatisieren. Um in der Diktion des Weißen Hauses zu bleiben: Tritt näher, er ist kürzer als du denkst.

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.
Die KONTEXT:Wochenzeitung ist eine Internet-Zeitung aus Stuttgart, die seit 6 Jahren wöchentlich mittwochs ins Netz gestellt wird. Zusätzlich liegt sie als Printausgabe der Wochenendausgabe der taz bei. Wir danken der Redaktion und Peter Grohmann für die Zustimmung zum Abdruck der Kolumne.
Näheres unter: https://www.kontextwochenzeitung.de/kolumne/331/oberkante-unterlippe-4510.html
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