Spielzeiteröffnung im Heinz-Hilpert-Theater

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Grandiose Show zu Saisonbeginn zugunsten des Kinderhospitzvereins Lünen

Die Sommerpause ist vorbei. Mit einer Veranstaltung, die jedes theaterbegeisterte Herz höher schlagen ließ, wurde am Samstagabend die kommende Spielzeit im Lüner Heinz-Hilpert-Theater eröffnet. Mit einem Programm, so farbenprächtig wie der schon bald beginnende Herbst. Und so vielfältig wie der gute alte Faltenrock. Nur, dass bei dem eine Falte wie die andere aussah, während hier jeder Beitrag sich kontrastreich vom vorherigen abhob.Das Besondere an diesem von Theaterförderverein und Kulturbüro zusammengestellten Programm war jedoch, dass alle Akteure aus Lünen oder der nahen Umgebung kamen und dass sie alle auf Gagen und Aufwandsentschädigungen zugunsten des Kinderhospizvereins Lünen verzichtet hatten.

Moderator Jan Schmitt

Es begann in Anlehnung an Goethes Faust mit einem Prolog über das Theater, vorgetragen von drei Mitgliedern der Filmcrew „Abgedreht“. Jan Grudzielanek, Christian Arnold und Michael Riedel traten aus dem Dunkel des Zuschauerraums auf die Bühne und trugen pointiert und gestenreich ihren Text vor. Danach verkündete Moderator Jan Schmitt begleitet von Jürgen Larys an der Gitarre musikalisch das Motto des Abends: „There‘s no business like show-business“ und gab danach den Startschuss mit „Theater auf! Bühne frei!“
Gekleidet im Smoking, und nicht nur im Outfit an ein Konglomerat aus Frank Sinatra und Harald Juhnke erinnernd, führte er gekonnt und gut vorbereitet durch das fast dreistündige Programm. Er brauchte keine Spickzettel, hatte jeden Namen parat, brachte jeden Darsteller dem Publikum näher brillierte immer wieder mit spontanen Einwürfen.

Darsteller der Theatergruppe Seitensprung im Aschenbrödel-Sketch.

Ein sechsköpfiges Team vom Amateur-Theater „Seitensprung“ zeigte mit dem „Aschenbrödel Sketch“, dass auch ständige Textwiederholungen wie „Ich bin so schön“ oder „Ich bin so traurig“, „Na gut“, die Handlung vorwärtsbringen können. Die Akteure standen hinter einem schwarzen Vorhang, darüber tauchten dann nur die Köpfe auf, wenn die Schauspieler ihren Part zitierten, dann tauchten sie wieder ab. Eine Darbietung, die viel Konzentration erforderte.
Der erst 14-jährige hochbegabte Luca Aaron Vazgec verzauberte das Publikum anschließend mit klassischen Tönen. Ohne Notenvorlage spielte er Werke von Bach und Liszt. Wer ihm auf die Finger sah, konnte beobachten, dass diese eine wahre Akrobatik vollführten.

Die Ballettschule Richter brachte Szenen aus dem „Christmas Carol“. Fazination auch ohne Kulissen und Schnick-Schnack.

Märchenhaft ging es weiter mit zwölf Tänzerinnen der Ballettschule Richter, die mit Auszügen aus dem „Christmas Carol“ von Charles Dickens nach der Musik von Bob Prince zeigten, wie ausdruckstark eine Ballettperformance auch ohne Kulisse sein kann, wenn man sich nur auf die Tänzerinnen konzentrieren kann. Gekonnt gingen sie auch auf den Rhythmuswechsel ein, als die Musik mehr und mehr „jazzig“ wurde und schließlich cha-cha-cha-ähnlich wurde. Anerkennenswert auch, dass sie auf den sonst beim Ballett üblichen Tanzteppich verzichteten, um das Tempo der Veranstaltung nicht durch ein zeitintensives Verlegen zu beeinträchtigen.

Danach wurde es literarisch. Nachdem Autorin Petra Bürger mit einem „Entspannungsglöckchen“ für eine entsprechende Stimmung gesorgt hatte, trug sie aus ihrem Buch „Erotik ist Madonna töten“ einen Dialog der Protagonisten Sonja und Johanna mit der Frage „Kann Liebe erlösen?“ vor. Bewundernswert, wie pointiert sie vorlas, wie sie die Worte vortrug, als sei ihre Stimme schauspielerisch geschult. „Meine Stimme hat das Leben geschult“, gab sie als Erklärung ab.

Bernhard Well und Wolfgang Olschewski vom Saxophon-Trio Gegenwind.

Mit dem Saxophontrio „Gegenwind“ gab es einen Ausflug in die Welt des Jazz. Bernhard Well aus Selm hatte einen Titel geschrieben und zwei neu arrangiert, mit einem ungewöhnlichen, hörenswertem Klangergebnis und Klangerlebnis. Neben ihm agierten Wolfgang Olschewski (im Hauptberuf Steuerberater) und Wells Sohn Philipp, der kurzfristig für den verhinderten Wolfgang Surrey eingesprungen war.

In die Welt des Fernen Ostens führten die Gruppe der Haidong Gumdo Akademie das Publikum mit einem Schwertkampftanz, bei dem auch die Schärfe ihrer Schwerter demonstriert wurde. Dabei gab es einen perfekten Einklang zwischen der Musik und der Performance in den passenden Kostümen.

Die „Haidong Gumbo-Gruppe“ zeigte einen fernöstlichen Schwertkampf.

Mit der Aufforderung, an die eigenen Träume zu glauben, schickte der Rapper „Kaizen“ das Publikum in die Pause. Wohltuend war bei ihm die positive Grundstimmung der Texte, die man bei vielen seiner Kollegen vergeblich sucht. Vielleicht kam er gerade deshalb auch bei den älteren Zuschauern gut an.

Den wohl emotionalsten Augenblick gab es, als die älteste Teilnehmerin, Gerlinde Wittler, die seit 1958 als Zuschauerin vor und hinter der Bühne bei den Künstlern zu Hause ist, auf die Bühnenbretter ins Rampenlicht trat und die von ihr verfasste „Ode an das Hilpert-Theater“ vortrug.

Hinter den Kulissen: Der Auftritt von Gerlinde Wittler wird vorbereitet. Rechts Cosplayerin Lisa Murach.

Da zeigte sich, dass Botschaften, die von Herzen kommen, auch die Herzen erreichen. Bei ihr lauschten auch die jungen Zuschauer ganz aufmerksam, obwohl sie vielleicht mit den Namen der Künstler, die Frau Wittler im Laufe der Jahre begegnet waren, gar nichts anfangen konnten.
Mit roten Herzen verdeutlichte auch das Schwarzlichttheater „DIA-Negativ“ die Liebe zum Theater. Im abgedunkelten Theater- und Bühnenraum entfaltete sich ein faszinierender Zauber, wenn, wie bei den tanzenden Händen, nur die gerade angeleuchteten Objekte sichtbar wurden.

Liebeserklärung an das Heinz-Hilpert-Theater von der Gruppe Dianegativ.

Mit einem „poetry-slam“ berichtete Luca Zander humorvoll von ihren Alpträumen als Schülern, bei denen jeder an seine eigenen während der Schulzeit erinnert wurde: Null-Bock schon beim Aufstehen, Null-Verstehen bei Mathe, keine Hausaufgaben gemacht, unvorbereitet eine Spanisch-Klausur schreiben und keiner lässt abschreiben.

Als die Frauen noch von Hüten und Pelzmänteln schwärmten. (Elsbeth Ratajczyk)

Mit einem überraschenden Schluss, dass diesmal alles wirklich nur ein Traum war.

Auf humorvolle Weise führten Elsbeth Ratajczik und Uschi Hortig von der Laienspielgruppe Niederaden das Publikum in die Zeit, als die Frauen noch Hüte trugen und von Pelzmänteln schwärmten und die Männer ihnen das Geld ein- und zuteilten.
„Was für eine Stimme, und nicht nur das“, war der Kommentar von Moderator Jan Schmitt nach dem Auftritt von Ina Thomas, die ausdruckstark und stimmgewaltig den Jazz-Titel „Georgia on my mind“ vorgetragen hatte. 1930 geschrieben, gehört er zu den Standards, immer wieder gecovert und von Ray Charles zu einem Weltschlager gemacht. Obwohl man den Titel unzählige Male gehört hat: der Vortrag von Ina Thomas war faszinierend und ging unter die Haut.

Ina Thomas, eine Faszinierende Stimme, und nicht nur das.

Zwischendurch hatte Liza Murach als Cosplayerin und Running Gag das Publikum in unterschiedlichen Kostümen verwirrt. So erschient sie als Newt Scamander aus dem Film „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ und geleitete Gerlinde Wittler als Cersei Lannister aus der Erfolgsserie „Game of Thrones“ von der Bühne.
Zum Schluss verwandelte Matthias Kartner, den BVB-Fans besser bekannt als „Kasche“, mit „Wer wird deutscher Meister“ und „You never walk alone“ das ehrwürdige Hilpert-Theater in die Südtribüne des Dortmunder Stadions. Zwischendurch schlug er auch leisere Töne an in einem Lied mit der Zeile „Wir sind Kinder dieser Erde.

You never walk alone: Matthias Kartner alias Kasche.

Beim großen Finale händigten Mechthild Holden vom Kulturbüro und Jürgen Larys vom Förderverein allen Teilnehmer eine Erinnerungsurkunde aus, die bei manchen Akteuren, wie sie versicherten, einen Ehrenplatz erhalten wird. Danach trafen sich Akteure und Zuschauer zu einer After-Show-Party im Foyer des Hansesaals, die erst kurz vor Mitternacht endete. „Wir waren beeindruckt von der breiten Vielfalt dieses kontrastreichen Programms, das sicher viele dazu angeregt hat, in absehbarer Zeit einmal wieder dieses schöne Theater zu besuchen“, urteilten Silvia und Ulrich Schmitz aus Bergkamen.

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