Kann das denn VAR sein?

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Der Videobeweis (Video Assistant Referee)

Von der Geburt bis hin zum Greis
gibt´s den Videobeweis.

Hast Du das Licht der Welt erblickt,
wird gleich die Kamera gezückt.

Beim ersten Tag im Kindergarten,
die Fotografen auf Dich warten.

Zur Schule gehst Du mit Geleit,
die Kamera ist stets bereit.

Im Ausweis steht so allerlei,
natürlich auch Dein Konterfei.

Wie es im Leben weiter lief
verrät uns stets das Objektiv.

Fährst Du mit Deinem Auto schnell ,
ist das Blitzlicht gleich zur Stell.

Und spielst du Fußball, so ganz oben,
wo dich die Medien trefflich loben,
sei bitte ständig auf der Hut,
Sportkameras sind besonders gut.

Unerklärlich, wie sich jetzt die Hüter des angeblich Bewährten und die Anhänger des Fortschritts in den Haaren liegen. Nichts Unwichtigeres als der sogenannte „Videobeweis“ in der Fußball-Bundesliga lässt die Gemüter aufwallen. Man brauche keinen Ober-Schiedsrichter, der trotz minutenlanger Spiel-Unterbrechung dann doch eine falsche Entscheidung treffe, sagen die Traditionalisten und sie befürchten, man habe die Absicht, diese Zwangspause dann gleich mit einer Gesangseinlage von Helene Fischer oder diversen Werbebotschaften zu füllen.

Die Anhänger der zurzeit versuchsweise praktizierten Regelung hingegen betonen, dass es mit dem Videobeweis gerechter zuginge und viele Fehlentscheidungen des Unparteiischen korrigiert würden. Letzteres ist wohl der Fall, das haben die ersten sieben Spieltage in der Bundesliga bewiesen.

Natürlich ist die Beweisführung per Video-Auswertung noch verbesserungsfähig: Die erste von einer Dampflokomotive gezogene Eisenbahn schaffte am 7. Dezember 1835 gerade auch einmal nur die 6 km lange Strecke zwischen Nürnberg und Fürth und ist natürlich nicht vergleichbar mit einem heutigen ICE-Express. Aber ein Anfang ward gemacht.

Warum insbesondere die Fußball-Anhänger in Bezug auf den Videobeweis so große Probleme mit einer gerechten Regelauslegung haben, ist nur schwerlich nachzuvollziehen. Beim Einsatz der aufwändigen Torkamera-Systeme haben sie doch auch inzwischen die Vorteile des elektronischen Nachweises akzeptiert. Obgleich hier angemerkt werden muss, dass diese Systeme nur ganz selten zum Einsatz kommen und letztendlich eigentlich schon heute durch einen Videobeweis ersetzt werden könnten.
Die kaum mehr als eine Minute dauernde Unterbrechung ist auf jeden Fall verkraftbar. Wenn man sieht, wie häufig erst in den Schlussminuten oder gar in den obligatorischen drei-Minuten-Spielverlängerungen beim zumeist völlig überflüssigen Spielertausch der auszuwechselnde Akteur mit der Austeilung von ausgiebigen Grüßen und Pirouetten im Schneckentempo vom Platz schleicht (natürlich nur wenn er der in Führung liegenden Mannschaft angehört) oder bei vorgetäuschten Verletzungsunterbrechungen theatralisch Zeit geschunden wird, sollte man auch dem Schiedsrichter die Zeit geben, mit Hilfe der Videotechnik seine Entscheidung überprüfen zu können.

Im Gegensatz zur FIFA haben andere Sportarten, wie zum Beispiel Hockey, Eishockey, Baseball oder Tennis längst den Vorteil des Einsatzes von technischen Hilfsmitteln erkannt. Allenfalls in der detaillierten Anwendung gibt es Unterschiede.

Natürlich wird es immer einen „Rest“ an Ungerechtigkeit geben. Auf jeden Fall werden auch künftig Spielsituationen nicht eindeutig bewertbar sein. Denken wir nur an die schwammige Regelung bei der Verhängung eines Elfmeters.
Vielleicht aber wird der Videobeweis den Aktiven zu der Einsicht verhelfen, dass sich grobes Foulspiel oder Schauspielereien  auf keinen Fall mehr lohnen dürften.

Kurzum: Liebe Fußballfans, regt Euch ab, es ist nur ein Spiel. Ende der Saison kann Bilanz gezogen werden.

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