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Ein Jahr Freiwilligendienst in Mosambik (2)

Die Mengederin Meret Willing, die bisher noch nie alleine länger aus Mengede weg war, lebt seit dem 1.8.2017  in  Mosambik und nimmt dort an einem einjährigen internationalen Jugendaustausch des ICJA statt. (vgl. auch den Bericht auf MENGEDE:InTakt! vom 18.6.2017).
Der ICJA ist ein weltweit tätiger Verein, der für junge und ältere Menschen Freiwilligendienste in aller Welt organisiert. Gleichzeitig betreut er ICJA Freiwillige aus allen Kontinenten, die in Deutschland in sozialen, politischen oder ökologischen Projekten mitarbeiten. Wir haben mit ihr verabredet, dass sie in unregelmäßigen Abständen über Ihren Aufenthalt berichtet. Hier ist nun ihr zweiter Bericht. (K.N.)

Einleben in den Alltag

Nach einem Monat hier in Mosambik sah ich mich gezwungen eine neue Identität anzunehmen. Ich heiße nun Mira und bin mit einem mosambikanischen Mann verheiratet. Mein neues Ich soll mir den Alltag erleichtern und nervige Fragen ersparen.

Schon in Deutschland war ich immer davon genervt gewesen, dass alle zweimal nach fragten, bis sie meinen Namen verstanden. Hier ist es noch viel extremer, die meisten Mosambikaner verstehen meinen Namen nicht und es fällt ihnen noch schwerer ihn auszusprechen. Öfter verstanden sie stattdessen Mira, sodass ich dazu übergegangen bin mich direkt als Mira vorzustellen.

Mit einem Mosambikaner verheiratet bin ich, weil nach dieser Behauptung viel weniger Fragen gestellt werden. In Mosambik sind ca. 40 Prozent der 18-jährigen Mädchen bereits verheiratet, sodass mir das jeder sofort abnimmt. Fast jeden Tag werde ich ungefähr 2-3 mal nach meiner Telefonnummer gefragt oder man will wissen, ob ich einen Freund hab. Zeig ich meinen Ring am Finger, sind die meisten sofort still. Außerdem freut es sie, dass der Mann ein Mosambikaner ist und sie sagen weniger, dass der (deutsche) Mann nie von einer kleinen Liebschaft erfahren würde.

Wenn ich mir das oben Geschriebene so durchlese, klingt das ganze ziemlich abschreckend. Es ist aber keineswegs so schlimm. Ich hab mich ziemlich schnell daran gewöhnt und finde es inzwischen eher lustig, mensch darf das ganze einfach nicht zu Ernst nehmen.

  

Seit sechs Wochen arbeite ich; zwar nicht – wie vorerst geplant – im Infantario, also einem Waisenheim, sondern in einer Escolhina, also einem Kindergarten/ einer Vorschule. Da es irgendwelche Probleme mit Papierkram gab, hat sich bei mir die Projektvergabe ein wenig verzögert. Nun bin ich froh endlich arbeiten zu können. Durch die lange Wartezeit hatte ich aber auch viel Hoffnung in das Projekt gesteckt, die nicht ganz erfüllt wurden. Die Kinder, die zwischen 2 und 5 sind, sind zwar furchtbar lieb und aufgeschlossen, ich hatte mich aber auf eine andere Altersgruppe eingestellt und bin jetzt am Anfang erstmal noch ziemlich überfordert, was auch daran liegt, dass mein Portugiesisch immer noch nicht das beste ist.

Mir steht aber die Möglichkeit nach einigen Monaten noch das Projekt zu wechseln in Aussicht, nämlich zu Mozarte, was genau mein Wunschprojekt war und auch schon in meinem Flyer zu dem Auslandsjahr beschrieben wurde.

Ein weiteres Highlight neben der Bekanntgabe meines Arbeitsplatzes war das Essen mit der gesamten Familie von Facilia, meiner Gastmutter. Wir aßen alle zusammen in der Garage sehr viele leckere Dinge, leider enthielten alle Fleisch, ich bin hier also gezwungen, das Vegetarier-Dasein wie in Deutschland aufzugeben. Dazu tranken wir verschiedenste Limonaden, von Cola über 3 verschiedene Sorten Fanta und mehr. Egal, ob 2 Jahre oder 70, alle scheinen hier Limoande zu trinken, niemand trinkt Wasser.

Vor dem Essen half ich ein bisschen mit wie alle Frauen, indem ich Salat machte, ein Huhn half zu schlachten (das brauche ich echt nicht nochmal) und die Garage auswischte. Als das Essen serviert wurde, sprachen die ältesten beiden Männer ein Gebet und setzten sich wieder auf ihre Seite. Ich weiß nicht genau, ob es beabsichtigt war oder zufällig, aber die Männer saßen rechts in der Garage und die Frauen links. Ich hoffe, ich kann Facilia noch öfter dahin begleiten, alle waren sehr nett zu mir und begrüßten mich sehr herzlich, es kam mir auf keinen Fall so vor, als würde ich weder ihre Sprache sprechen, noch als hätte ich sie an dem Tag das erstemal gesehen.

Dinge, wie ein regelmäßiger Alltag und Feste mit Mosambikaner*innen, lassen mich richtig hier ankommen und erleichtern mir das Ankommen in der neuen Heimat. Außerdem habe ich mir nun auch endlich hier einen Sport gesucht. Ich gehe nun zum Training in eine Tanzschule, in der ich 6 Tage die Woche den traditionellen mosambikanischen Tanz Marabenta lernen kann. Teils hatte das Training aber auch Komponenten von Modern Dance, ist also bunt durchmischt. Ich gehe zusammen mit zwei anderen Freiwilligen, Dorcas und Paula hin, hoffe aber noch Leute von hier kennenzulernen. Das Training ist echt anstrengend, aber macht auch viel Spaß, obwohl manche Bewegungen mich wirklich zur Verzweiflung bringen. Wie soll man sich so bewegen können? Bei einem Blick auf die anderen weißen Teilnehmer des Kurses bin ich aber immer erleichtert. Sie scheinen es genauso wenig zu können wie ich. Ich hoffe nur, dass ich es am Ende des Jahres zumindest ansatzweise hinbekommen werde.

  

Man merkt schon, im Vergleich zum letzten Eintrag ist dieser nicht ganz so euphorisch. Langsam komme ich an und merke, dass nicht alles so toll ist und ich mich noch an vieles gewöhnen muss. Auch vermisse ich inzwischen meine Familie und Freunde zu Hause in Deutschland etwas mehr. Zum Glück habe ich im Moment die anderen Freiwilligen, die mir das Ankommen hier stark erleichtern und bereits enge Vertraute geworden sind. Mit ihnen und meiner Familie habe ich zum Beispiel meinen 18. Geburtstag gefeiert, was ein sehr schöner Abend wurde.

Ich lasse bald wieder von mir hören, liebe Grüße aus Mosambik!

Até mais!

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