Knepper: Sind die Würfel gefallen?

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Uniper verkauft Kraftwerksgelände noch 2017 an Investoren

Was wird aus den Träumen von den tollen neuen Arbeitsplätzen?

Für die Zukunft des Knepper-Geländes sind die Würfel möglicherweise gefallen. Die Eigentümerin Uniper verkauft noch in diesem Jahr die Fläche an Investoren, die hier eventuell einen weiteren Logistik-Standort im bereits überproportional damit gesegneten Stadtbezirk Mengede einrichten wollen. Vor diesem Hintergrund erhielt jetzt ein Antrag der Bündnisgrünen in der Bezirksvertretung (BV), gemeinsam mit den Bürgern ein darauf abgestimmtes Verkehrskonzept zu entwickeln, ein einstimmiges Votum. Man befürchtet, die Mengeder Bevölkerung werde durch die neue Entwicklung weit stärkeren Umweltbelastungen durch Verkehr, Lärm und Stickoxide ausgesetzt als die Bewohner anderer Stadtbezirke.

In ihrem Antrag erinnern die Grünen daran, dass die BV „sich bereits bei der Stillegung des Kraftwerkes gegen eine Nachnutzung als reinen Logistik-Standort ausgesprochen hatte.“ In der Nachbarschaft des Betriebsgeländes und auf den Zubringerstraßen zu den Autobahnen erhöhe sich dann das Verkehrsaufkommen mit Lkw deutlich. Je nachdem, welche Betriebe angesiedelt würden, kämen eventuell noch Fahrten von und zur neuen KV-Anlage im Hafen hinzu. Diese weise hohe Zuwächse auf, so Grünen-Sprecherin Isabella Knappmann; das Verkehrsaufkommen werde dadurch Richtung Norden erheblich zunehmen.

Keine Umweltzone = höhere Grenzwerte

„Dies würde bedeuten“, so heißt es in dem Antrag,“ dass die befürchtete Zunahme der…Belastung… weitere Verkehrswege im gesamten Stadtbezirk betreffen könnte.“ Auch auf der jetzt bereits staugeplagten NS IX könne die Lage noch schwieriger werden. Da der Stadtbezirk Mengede nicht als Umweltzone ausgewiesen sei, müsse zudem damit gerechnet werden, dass man bei der Planung andere Grenzwerte zu Grunde legt und der Bevölkerung im Nordwesten mehr Lärm und Schadstoffe zumutet.

Sprecher aller Fraktionen bedauerten die aktuelle Entwicklung des zunächst von so vielen Hoffnungen begleiteten ehemaligen Kraftwerks-Geländes. Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch machte seinem Unmut Luft: „Wir haben einen entsprechenden Beschluss über das, was wir wollen. Wir haben bereits genug an Belastung. Das sind keine Zustände!“ Allerdings hoffe er, dass die Stadt aus der Situation Konsequenzen ziehe und sich etwas einfallen lasse. Vielleicht könne die Diskussion über die Nordspange so neu belebt werden.

Linke/Piraten: Wie passt das alles zusammen?

Mehr als doppelt so viele Lkw wie andere Stadtbezirke hat Mengede schon jetzt zu verkraften – aber nicht einmal eine Messtelle für die Luftqualität wird bewilligt.

Der frühere Gleisanschluss des Kraftwerkes ist inzwischen von der Deutschen Bahn AG zurückgebaut worden. Planungsdezernent Ludger Wilde antwortete auf eine Anfrage der SPD-Fraktion, dieser Anschluss könne im Falle späteren Bedarfs durch den Wiedereinbau einer Weiche jederzeit wieder in Betrieb genommen werden.

Die Fraktion Die Linke/Piraten im Ausschuss für Umwelt, Stadtgestaltung und Wohnen hatte in dessen Novembersitzung angefragt, wie ein eventueller Logistikstandort Knepper mit dem aktuellen Verkehrskonzept rund um das Hafengebiet und mit den durch den Containerterminal verursachten Lkw-Fahrten zusammen passe. Die Verwaltung antwortete darauf, es sei „noch nicht absehbar, wie viel Verkehr die neue Nutzung im Gewerbegebiet Knepper erzeugen wird.“ Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens sei eine entsprechende Verkehrsuntersuchung mit Aussagen zu Lkw-Aufkommen und Verteilung erforderlich. (Was die Mengeder Fraktion Die Linke/Piraten dazu zu sagen hat, berichteten wir am 28. November. Am 3. November 2016 hatte Mengede InTakt bereits in dem Beitrag „Dicke Luft…“ auf die Problematik hingewiesen)

Kommentar: Zählt der Bürgerwille?

Ist die Meinung der Mengeder Bürger dem Rathaus wichtig? Der ständig wachsende Lkw-Verkehr durch Wohngebiete des Stadtbezirks, der mit 70,5 % (gegenüber 34,4 % in der Gesamtstadt) dramatisch hohe Anteil an Logistik bei den Gewerbeflächen lässt die betroffenen Anwohner, aber auch die um Verbesserung bemühte Lokalpolitik allmählich verzweifeln. Jetzt droht sogar der letzte Schimmer Hoffnung für das ehemalige Knepper-Gelände zu schwinden. Was 2016 noch als „Nordwärts-Möglichkeitsraum“ genannt wurde, scheint inzwischen längst als weiterer Standort für noch mehr Lkw verscherbelt zu sein.

Gewiss – hier entstehen auch Arbeitsplätze, aber wenn der Stadtbezirk Pech hat, wieder nur schlecht bezahlte, nicht selten reserviert für Wanderarbeiter. Angesichts der technischen Entwicklung könnten selbst diese im Laufe der nächsten Jahre schrumpfen, wenn mehr und mehr Roboter die Arbeit der Lageristen übernehmen und selbstfahrende Lkw eingesetzt werden. Was die Bürger sich gewünscht hatten, anspruchsvolle, ordentlich bezahlte Jobs in Gewerbe und Industrie , soll wohl eher in anderen Bereichen der Stadt realisiert werden.

Was die Lokalpolitiker in dem Zusammenhang noch erzürnt? Planungsdezernent Ludger Wilde lehnt die Anfrage der Mengeder Bündnisgrünen, ob nicht die wirkliche Luftbelastung durch Stickstoffdioxid (NO )an einigen besonders frequentierten Stellen im Stadtbezirk gemessen werden könne, kategorisch ab: „Eine Ausweitung des städtischen Messnetzes würde nicht helfen, das Problem der NOGrenzwertüberschreitungen zu lösen, so dass ich dem Wunsch der Bezirksvertretung nicht entsprechen kann.“ Spöttische Anmerkung von CDU-Bezirksvertreter Andreas Flur: „Nicht mal für ’ne Messstelle reicht’s.“

Monika Zybon-Biermann

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