Entlastet vom Hansemann-Erbe?

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Bezirksvertretung will weitere Fragen bei Ortstermin klären

„Mengeder Alpen“ – das war der Spitzname dieser aufgeschütteten Hügel. Sie begrenzten das Gelände von Säureharzlager und Kläranlage.

Die Sanierung des ehemaligen Hansemann-Säureharzlagers und der Kläranlage ist abgeschlossen. Jetzt legte das Umweltamt der Bezirksvertretung dazu einen Sachstandsbericht vor. Darin geht die Behörde auch auf die seit langem in Betrieb befindliche Grundwasserreinigung an der Hansemannstraße ein. Die Mengeder nahmen den Bericht zur Kenntnis, wünschen sich aber noch einen Ortstermin, um einige offene Fragen zu klären.

2015 begannen die im Auftrag der RAG Montan Immobilien GmbH (RAG MI) veranlassten Arbeiten. Dazu gehören die Abdeckung der rund 5000 Quadratmeter Kläranlage mit einer durchschnittlich meterdicken Schicht wenig durchlässigen Bodens sowie die abschließende Begrünung, die Versiegelung der 2.500 Quadratmeter Säureharzlager mit Bitumen, zusätzlich eines kleinen, belasteten Bereiches mit Beton.

Säureharzlager und Kläranlage sind nun saniert

Für die Ableitung und Reinigung des Regen- und Grundwassers war ein System von Leitungen nötig, bevor es in den städtischen Kanal an der Dönnstraße gelangt. Hinzu kommen eine ca. 150 Meter lange an der Süd- und Ostseite des Sicherungsbauwerkes verlaufende Tiefendrainage, welche belastetes Grundwasser zu einem Sammelschacht führt, sowie die unterirdische Druckrohrleitung für dieses Wasser unter dem Bahndamm und über die Parkfläche bis zur Grundwasserreinigungsanlage (GWRA) an der Hansemannstraße. Die gesamte Fläche ist vollständig eingezäunt.

Die Bauarbeiten für die Sanierung des Säureharzlagers dauerten von Anfang März 2015 bis September 2016. Umweltamts-Mitarbeiter Markus Halfmann betont in seinem Bericht, während der Bautätigkeit seien ständig Schadstoffemissionen und Umgebungsluft gemessen worden, um Gefahren und Belästigungen für die Nachbarschaft zu vermeiden. Dabei seien permanent Gutachter der Deutschen Montan Technologie (DMT) im Einsatz gewesen.

Dass diese Sanierungsmaßnahme so „auffallend unauffällig“ verlief, hatte 2015 den Argwohn der Grünen Fraktion im Amtshaus erregt und führte zur ersten Anfrage. Damals konnte Berichterstatter Halfmann bereits verkünden, dass die Arbeiten zügig, geräusch- und geruchlos, ohne Beschwerden der Nachbarschaft verlaufen seien und versprach einen Abschlussbericht (siehe unseren Beitrag„Giftige Altlast bald Vergangenheit“ vom 1. Oktober 2015).

Kampf gegen Benzol begann schon 1996

Eine weit längere Geschichte hat die direkt angrenzende, zweite große Hansemann-Baustelle, das Gelände der ehemaligen Benzolreinigung. Die extreme Verseuchung dieses Grundstücks führte zu so starker Belastung des Grundwassers, dass es selbst in den Kellerräumen der angrenzenden Häuser Hansemannstraße 29 – 35 nach Benzol roch. Um eine weitere Ausbreitung der gefährlichen Fracht zu verhindern, wurde von der RAG eine Galerie von zehn Grundwasserbrunnen errichtet. Ihr Zweck ist es, den Zustrom zu den gefährdeten Häusern auf Dauer zu unterbinden. Das dort aufgefangene Wasser wird zunächst in einen Sammelbrunnen und dann in die Grundwasser-Reinigungsanlage (GWRA) gepumpt, wo es mit Hilfe von Aktivkohle gesäubert wird.

Diese Anlage nahm ihren Betrieb bereits 1996 auf. Dass man sich in Mengede trotzdem nicht ohne Grund weiterhin Sorgen um den Standort macht, zeigen die dort ermittelten Zahlen im Hinblick auf Schadstoffe in Boden und Wasser. 2016 lag der Durchschnitt des Fördervolumens der Brunnen bei 287 Kubikmetern monatlich. Im selben Jahr wurden insgesamt 400 Kilogramm Benzol aus dem Grundwasser entfernt. Mit der Erweiterung der Anlage durch den Bereich Säureharzlager plus Kläranlage werde der Mengendurchsatz der GWRA „mehr als verdoppelt“, so die Prognose des Umweltamtes.

Funktionstauglichkeit wird laufend überwacht

Die Funktionstauglichkeit aller Grundwasserreinigung und Abdichtungen wird in halbjährlichen Abständen kontrolliert; dazu gehören 60 Überwachungspegel, von denen jeweils 30 alle sechs Monate überprüft werden. Die Ergebnisse belegten, dass durch das Gesamtpaket an Maßnahmen eine weitere Ausbreitung der Schadstoffe über das Grundwasser unterbunden werde, heißt es abschließend in dem Sachstandsbericht der Umweltbehörde.

Der Bezirksvertretung reicht die schriftliche Versicherung nicht aus. Da auch die vorgelegten Pläne zu Nachsorgekonzept und Grundwasser-Monitoring nicht alle Fragen beantworteten, wurde ein Ortstermin beantragt. Isabella Knappmann fiel z. B. der alte Kanal entlang der Dönnstraße ein: „Wann wird dort endlich die Kanalisation erneuert?“

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