Chronik eines erstaunlichen Baumschnittes

Spitzahorn nach dem Schnitt am 18. April 2023

Vom Umgang mit Straßenbäumen im Stadtbezirk

Eine Realsatire von Eva Latterner

Als bislang unvorstellbares Beispiel für einen Baumschnitt sei hier ein Straßenbaum in einer Sackgasse in Bodelschwingh genannt.
Nach der Erinnerung der Anwohnerin wurde der Baum, ein Spitzahorn, bereits in den 1990-er Jahren gepflanzt, zusammen mit etlichen anderen Straßenbäumen in der in diesen Jahren fertiggestellten Siedlung. Laut Baumkataster der Stadt Dortmund wurde er im Jahr 2002 gepflanzt. 

Seit mehr als 20 Jahren schwächelt das Bäumchen in seiner nicht sehr großen Baumscheibe, überlebt bis heute trotz widriger Umstände und kümmerte unbehelligt von jeglicher Pflege langsam vor sich hin. Ein schöner Straßenbaum ist der Spitzahorn  nie geworden; längst hätte er durch einen neuen Baum ersetzt werden müssen.
Am 18. April dieses Jahres rückte eine Baumpflegekolonne an und beschnitt die schüttere Krone des zähen Bäumchens. (Foto s. oben rechts)

Spitzahorn am 30. Mai 2023

Eine Anfrage der Anwohnerin beim Grünflächenamt der Stadt Dortmund blieb unbeantwortet, der vorgenommene Baumschnitt blieb unverständlich.

Am 19. Mai, nach einer Erinnerung, wurde die offenbar lästige Fragestellerin an einen weiteren Mitarbeiter verwiesen und erhielt am 30. Mai folgende Antwort:„Der Jungbaum ist zu einem Erziehungsschnitt ( Jungbaumpflege) beauftragt worden. Dieser ist bis heute noch nicht durch die Rahmenvertragsfirma fachgerecht durchgeführt worden. Entsprechend der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen wurde diese aufgefordert, diese Leistung ordnungsgemäß zu erbringen……….Im Zuge von Nachhaltigkeitsaspekten wird ….versucht, Jungbäume mit Defiziten in der Krone, mit z.T. mehreren Schnitten, so zu erziehen, dass diese eine arttypische Krone ausbilden können.Der Austausch eines Jungbaumes ist mit so hohen Kosten verbunden, dass auch dieses mehrmalige Bearbeiten wirtschaftlich geboten ist.“ 

Am 5. Juni erhielt der Baum den  fachgerechten Korrekturschnitt. Das Grünflächenamt hat sich trotz Nachfrage nicht mehr dazu geäußert.

Nach dem Schnitt am 5. Juni 2023

 Es bleibt zu hoffen, dass dieser „fachgerechte Erziehungsschnitt“ an einem Straßenbaum eine  Ausnahme bei der Straßenbaumpflege ist. 

Auffällig jedoch ist, dass im Stadtbezirk in den letzten zwei Jahren sehr viele Bäume in untergeordneten Straßen und Wegen und auch in Grünflächen unangemessen hoch aufgeastet wurden. 

Fotos: Eva Latterner